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Samstag, der 31. Juli 2010
Ein Junge, der Jungs liebt

Ein Junge, der Jungs liebt

Autor: MeisterLampe • Dienstag, 29. April 2008, 21:21 Uhr
   Kategorie: Männer

Dies ist eine Schilderung über persönliche Erfahrungen und die Gründe seines Coming-outs.
Hiermitt möchte ich mich im Namen von zimtrausch.de bei Martin für die freundliche bereitstellung dieses Artikels bedanken.

von Martin:

Es war ein weiter Weg, zu akzeptieren, anders zu sein. Ich hoffe, dass es inzwischen leichter geworden ist und dass die Gesellschaft merkt, dass sie vor Schwulen und Lesben keine Angst haben muss.
Ich hoffe daher, dass mein Artikel vielleicht einige Leser zum Nachdenken anregt und würde mich über Meinungen und Zuschriften an die E-Mail-Adresse martin.frieb.irrational@schwulerjugendtreff.de freuen.

*"Heterosexuell? Homosexuell? - Sexuelle Orientierungen und Coming-out …verstehen, akzeptieren, leben" von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) www.bzga.de

 

"Eigentlich sehen die Jungs doch viel besser aus als die Mädchen"
- dieser Gedanke kam mir im Alter von 13 Jahren, allerdings konnte ich damit nicht viel anfangen -

Schließlich fingen die anderen Jungs an, von Mädchen zu reden und man fühlt sich ziemlich allein, wenn man anders denkt als alle anderen.
Immerhin bekam ich irgendwie mit, dass man das wohl "schwul" nennt und versuchte, mich im Lexikon schlau zu machen.
Allerdings konnte ich mit dem dort aufgeführten Begriff der Homosexualität auch nichts anfangen, ebenso wie mit der darunter aufgeführten Beschreibung.
Ich war also genauso weit wie vorher. Die anderen Jungs beschimpften alles negative als "schwul".
Ich wollte nicht schwul sein, Schwule waren ja schließlich pervers.
Also folgte erstmal Zeit der Verdrängung und Ablehnung, vielleicht würden die Mädchen ja doch noch interessanter.
Lange Zeit später, als es schon auf die 15 zu ging, bekamen wir zuhause Internet
- das Medium für Informationen aller Art -

Dort habe ich angefangen, in Foren zu lesen und ein halbes Jahr später traute ich mich sogar zu einer Anmeldung bei einer schwulen Jugendcommunity.

Nun verstand ich, was es hieß, schwul zu sein und musste langsam lernen, mich selbst zu akzeptieren.
Allerdings las ich auch genügend Geschichten, wo Leute berichteten, dass ihr Outing negative Reaktionen hervorrief.
So wuchs die Angst, auch auf negative Reaktionen zu stoßen. Trotzdem wagte ich mit 15 ein Outing bei meinem damals besten Freund.
Ich sagte ihm "Ich bin schwul", aber er reagierte kaum - Ich denke, er wusste auch nicht, was er damit anfangen soll.

Ich beschloss erstmal, mich nicht weiter zu outen.

Allerdings fingen ein halbes Jahr später verschiedene Mitschüler an zu fragen, ob ich schwul bin, was ich zunächst dementierte.
Doch mir wurde auf einer Klassenfahrt in dieser Zeit klar, dass ich mich entweder weiter verleugnen könnte, wobei allerdings das Gerücht weitere Formen hätte annehmen können.
Oder ich stehe zu mir und lerne, mich selbst zu akzeptieren, was ich schließlich getan habe.
Dadurch zeigte sich, dass in meiner Jahrgangsstufe viele tolerante Leute sind, die mich akzeptieren. Schließlich bekamen noch andere Schüler z.T. aus anderen Jahrgangsstufen mit, dass ich mich auf der Klassenfahrt geoutet habe und auch bei ihnen gab es keine Probleme.

Zwei Jahre später, im Alter von 18 Jahren, wollte ich doch langsam meine Eltern informieren.
Ich tat dies im Urlaub, weil es da keinen Alltagsstress gibt und sie Zeit haben zum Nachdenken. Es hatte natürlich den Nachteil, dass wir weiterhin alle zusammen in Italien sitzen - wenn sie mich nicht akzeptieren würden, wäre das problematisch, da ich ja von ihnen abhängig bin, aber ich ging dieses Risiko ein. In einem gezielten Gespräch gestand ich ihnen dann "Ich werde keine Freundin haben - Ich werde einen Freund haben".

Für meinen Vater war das nicht so schlimm, er kannte schon einige Schwule, weil er in seinem Beruf viele Menschen trifft.
Meiner Mutter schien mein Outing mehr Probleme zu bereiten. Sie versuchte zwar, das nicht zu zeigen, aber nach dem Urlaub im Alltag hat sie meine Homosexualität zu den sehr negativen Ereignissen in der Familiengeschichte gezählt. Als sich einmal die Gelegenheit ergab, übergab ich ihr eine Broschüre für die Eltern homosexueller Kinder* Sie hat sie in der folgenden Zeit durchgearbeitet und damit gelernt, mich so zu akzeptieren, wie ich bin.

Seitdem hat auch meine Mutter kein Problem mehr mit meiner Homosexualität.
Ein gutes halbes Jahr später habe ich über einen Bekannten übers Internet zu einem netten Jungen gefunden.

Wir haben uns verliebt und sind inzwischen seit 1,5 Jahren ein Paar, allerdings führen wir eine Fernbeziehung.

Da er deswegen immer einige Tage am Stück zu Besuch war bzw. ich bei ihm, habe ich mich nun mit Unterstützung meiner Mutter bei meinen Geschwistern und Teilen der Verwandtschaft geoutet.

Opas, Omas und sonstige Senioren haben nichts von der Beziehung zwischen meinem Freund und mir erfahren, weil bei ihnen die Wahrscheinlichkeit der Ablehnung höher ist.
Trotzdem haben sie ihn kennengelernt, jedoch nur als "normalen" Freund, der zu Besuch da ist.

Mit 19 fand ich in meinem Postfach Werbung für eine neu gegründete schwule Jugendgruppe in Augsburg.
Dort finden sich regelmäßig schwule Jungs zusammen, die gemeinsam was unternehmen, z.B. Kino, Kochen, Stadtrallye, Eislaufen. Ich hätte mir lange gewünscht, auch eine solche Gruppe zu besuchen, als ich lernen musste, mich selbst zu akzeptieren.

Nur um zu wissen, dass ich nicht alleine bin und um mit anderen auch über das Schwulsein sprechen zu können. Daher habe ich mich seitdem auch dort viel engagiert und wurde schließlich sogar Co-Leiter.

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MeisterLampe ist Rennradfahrer, Schwimmer und bekennder Fashion Victim. Frei nach dem Motto "Esst mehr Gemüse".
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