Ich bin Antifeministin
Autor: Anika • Montag, 25. August 2008, 17:10 UhrKategorie: Allgemeines
Ich bin Antifeministin…
…und dazu bekenne ich mich, und dazu stehe ich, auch wenn ich in unserer Gegenwart und in meinem persönlichen und meinem weiterem Umfeld oft auf wenig Akzeptanz und Gegenliebe stoße.
Nun bin ich keine Anhängerin des radikalen Antifeminismus, der gleichbedeutend ist mit der Ablehnung der Gleichberechtigung der Geschlechter, der absoluten Verdammung der Frauenbewegung und der Ächtung aller Thesen des Feminismus, und ich weiß durchaus die Verdienste der feministischen Frauenbewegungen zu schätzen und halte einen großen Teil ihrer Forderungen und Ziele für positiv und gehe mit ihnen konform. Frauen haben ein Anrecht auf Gleichstellung in Politik, Wirtschaft, Gesellschaft, bei der Arbeit und im persönlichen Bereich. Sie haben einen unabdingbaren Anspruch auf kulturelle, individuelle und sexuelle Selbstbestimmung.
Gesellschaftliche Strömungen neigen zur Radikalität und zu völliger und kompromissloser Ablehnung gegenteiliger Meinungen. In logischer Folge werden die Ansichten und Forderungen übertrieben.
Das Thema ist so vielschichtig und komplex, als dass ich es hier vollständig und in der Tiefe betrachten könnte. Vielmehr will ich meine eigenen Gedanken und meine persönliche Position deutlich machen, wobei ich mich ständig frage, ob sich nicht auch offiziell ein Mittelweg in den Anschauungen finden ließe, der das Positive beider Strömungen berücksichtigt.
Im Wirrwarr der Anschauungen, Thesen, Überzeugungen und der daraus resultierenden Polemik möchte ich nur einen einzigen Punkt herausgreifen, der mich als quasi Betroffene besonders tangiert: Das Zusammenleben der Familie unter dem Gesichtspunkt, dass es in der heutigen Gesellschaft Mode geworden ist, dass sich Frauen am besten nicht mehr durch ihre Mutterrolle und ihre Aufgaben in der Familie definieren, sondern dass sie sich daneben durch Karrierestreben und Berufsleben überhaupt „verwirklichen“ sollen.
Vor gut einem Jahr führten wir im Forum eine sehr hitzige, beinahe erbitterte Diskussion über Eva Hermans Buch „Das Eva-Prinzip“, in deren Verlauf ich feststellen musste, dass Männer wohl doch die überzeugtesten Feministinnen sind. Diese Bemerkung ist selbstverständlich ironisch gemeint, doch im Kern ist sie wahr. Es ist nach der Anschauung der mitdiskutierenden Männer so einfach, Karriere und Familie unter einen Hut zu bekommen.
Mein Argument, dass die Autorin an keiner Stelle ihres Buches fordert, Frauen sollten zurück an den Herd und sich nur noch um die Familie kümmern, zog daher nicht. Vielmehr meinte Herman, dass man es Frauen, die ganz für die Familie da sein wollten, dies auch ermöglichen sollte, ohne auf sie herabzublicken. Damit kann ich mich voll und ganz identifizieren, denn Mutter sein und einen Haushalt zu versorgen ist ein Fulltimejob.
Wenn Kinder da sind, sind Prioritäten zu setzen. Soll heißen: An erster Stelle ist dafür zu sorgen, dass die Kinder gesund und glücklich heranwachsen und dass sie gut erzogen werden. Dazu gehört, dass ich mich intensiv um sie kümmere. Wenn ich das nicht kann oder will, dann hätte ich besser auf sie verzichten sollen.
Aus diesem Grund habe ich keine Ambitionen, z.B. mein Geschäft zu vergrößern, um eine Art "Karriere" zu machen.
Kinder werden nun einmal nicht nebenbei groß.
Ich möchte an dieser Stelle ein Mitglied unseres Forums zitieren. Susan spricht mir aus der Seele:
Frauen sind extrem belastbar und flexibel, aber auch sie haben nur begrenzte Ressourcen zur Verfügung. Wenn sie diese zu sehr plündern, dann bleibt am Ende nur eine menschliche Hülle, gefüllt mit Frust, Ängsten und negativen Gedanken, zurück. Welcher Ehemann und welche erwachsenen Kinder stehen so jemandem dann noch auf Dauer bei? Zumal diese ja auch den Druck in ihrem eigenen Leben meistern müssen. Das Alleinsein ist - sobald die Kinder aus dem Haus sind - fast schon vorprogrammiert. Oder fahren Männer neuerdings auf ausgebrannte, depressive, zickige Frauen mittleren Alters ab, denen ihre Versagensängste und ihre Überlastung auf den Stirnfalten stehen? Nein, im Gegenteil. Junge, oberflächliche, attraktive und vermeintlich sorgenfreie Strahlemädchen werden dann von genau solchen Ehemännern als Geliebte favorisiert. Bingo!
Wenn ich mich in meinem beruflichen Dunstkreis umsehe, dann gibt es zwei Kategorien berufstätiger Frauen:
1. Ambitionierte, meist sogar recht erfolgreiche Managerinnen (sogenannte "Häuptlinge"), die oftmals Beruf mit Berufung gleichsetzen und in ihrer beruflichen Tätigkeit ihre Erfüllung suchen. Unter einem 10-Stunden-Tag ist sowas kaum umzusetzen. Tendenz geht sicher eher in den 12-Stunden-Bereich. (Ausreichend Freizeit ist aber nun mal die notwendige Basis für ein funktionierendes Privat- und Familienleben.)Hier gibt es auffällig viele Singles, Geschiedene, Getrenntlebende bzw. Frauen, die Fern-/ Wochenendbeziehungen führen. Langjährige Partnerschaften scheinen meist nur dann zu funktionieren, wenn der Mann ähnlich engagiert bzw. erfolgreich ist. Kinder kommen seltenst vor (mir fällt auf Anhieb keine einzige ein).Die Arbeitgeber erwarten vollen Einsatz und bevorzugen bei Beförderungen eher die Bewerberinnen, von denen bekannt ist, dass sie keinen oder keinen ausgeprägten Kinderwunsch hegen.
2. Frauen, die Teil- oder Vollzeit in Bereichen arbeiten, die tendenziell eher den "Indianertätigkeiten" zugeordnet sind (z. B. Sachbearbeiterin, Sekretärin, Verkäuferin, um mal ein paar zu nennen). In meinem Unternehmen beispielsweise sind ausnahmslos Mütter auf solchen Positionen.“
Quelle: http://www.zimtrausch.de/forum-showposts-8850-p1-xAntiFeminismus_quot;Das_EvaPrinzipquot;.html
Eine wirkliche Gleichstellung von Mann und Frau, wie sie von den Feministen gefordert wird, kann es nicht geben. Im Arbeitleben wird von den Frauen ein 120iger Einsatz gefordert. Wollen sie sich profilieren, müssen sie mehr Können und größeren Einsatz zeigen als männliche Kollegen. Also heißt die logische Konsequenz: Entweder Karriere oder Familie. Mit der Wahl der Karriere im Beruf gibt die Frau ein gutes Stück weit sich selbst auf. Alles das, was eine Frau im eigentlichen Sinne ausmacht, rückt in den Hintergrund, oder es wird total negiert.
Ich möchte nicht falsch verstanden werden. Meine Hochachtung gilt den Frauen, die sich klar für eine Karriere und gegen Kinder entschieden haben. Sie zeigen mir, dass sie verantwortungsvoll genug sind, zu erkennen, dass beides nicht hundertprozentig in allen Forderungen und Konsequenzen erfüllbar ist. Die Überbelastung, die durch ein Streben nach einer Karriere und dem Muttersein entsteht, geht entweder zu Lasten der Familie und der Kinder oder zu Lasten der Arbeitsleistung. Was passiert denn z.B., wenn ein Kind erkrankt?
Kann es sich eine „Karrierefrau“ leisten, ihre Kraft auf dieses Kind zu konzentrieren? Das Verständnis des Vorgesetzten hält sich sicher in Grenzen.
Ich möchte am Schluss meiner Betrachtung, die nur an der Oberfläche der Problematik kratzen kann, ein weiteres Mal Susan zu Wort kommen lassen:
„Hier wird so viel verlangt, dass auf Dauer eine Überbelastung entsteht, die entweder zu Lasten der Familie und der Kinder, oder aber zu Lasten der Arbeitsleistung geht. Sicher kann man sich entsprechende Dienstleistungen kaufen, wie z. B. eine Nanny und eine Haushaltshilfe. Aber welche Frau mag wirklich fremden Leuten die Erziehung ihrer Kinder überlassen, wenn sie aus freien Stücken und voller Überzeugung eine liebende Mutter geworden ist? Kindergärten, und Ganztagsschulen sind zwar eine Möglichkeit zur Kinderunterbringung, die klassischen Öffnungszeiten eines Kindergartens z. B. passen aber schon mal nicht zu den Arbeitszeiten einer Führungskraft. Internate erwecken bei mir den faden Beigeschmack des "Entsorgens".“
Quelle: http://www.zimtrausch.de/forum-showposts-8850-p1-xAntiFeminismus_quot;Das_EvaPrinzipquot;.html
Was bleibt, ist für mich diese Erkenntnis: Frau zu sein bedeutet, sich in einem Alltag voller Widersprüche zu befinden.
Ich habe diese Frage für mich beantwortet, und deshalb nenne ich mich eine Antifeministin.
Nette Links:
Anika ist Trägerin des Ginger-Gens,
Antifeministin,
Kämpferin gegen Pickel, Falten und Damenbärte. ;-)
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September 12th, 2008 in 2:14
Schön. Ich bin auch Antifeministin. Aus etwas anderen Gründen, als du. Ich denke nicht nur an mich, sondern auch an Männer. Sie leiden sehr an der Dominanz des Feminismus in der Gesellschaft. Finde ich. Frauen sind viel zu stark, quasi männlich. Und was bleibt den Männern? Die Anwort ist klar.
Juni 19th, 2009 in 5:41
“Vielmehr meinte Herman, dass man es Frauen, die ganz für die Familie da sein wollten, dies auch ermöglichen sollte, ohne auf sie herabzublicken. Damit kann ich mich voll und ganz identifizieren, denn Mutter sein und einen Haushalt zu versorgen ist ein Fulltimejob.”
Ich sehe “Karrieremachen” als Frau nicht als “Selbstverwirklichung”, sondern eher als Pflichterfüllung, und zwar nicht die Erfüllung von “Frauenpflichten”, sondern von Pflichten als Staatsbürger. Wir haben 6 Milliarden Menschen auf der Welt. Von denen verhungern, sterben an Krankheiten, sterben in Bürgerkriegen, sterben sonstwie jeden Tag ein paar. Und wir diskutieren hier tatsächlich darüber, ob wir es uns leisten können, dass qualifizierte Staatsbürger ein paar Jahre (!) zuhause bleiben können und nicht arbeiten brauchen, nur um NOCH mehr Menschen auf der Welt zu haben? Ich sehe Kinder sowieso schon als ein Privatvergnügen in Zeiten solcher Überbevölkerung (und nein, ich bin nicht kinderfeindlich), aber dass dann voll ausgebildete Leute sich auch noch einen solchen Luxus leisten…das kann man wirklich nur mit unserer Industriestaaten-Arroganz erklären.
Was du in deinem Text schreibst, ist nichts anderes als “Frau zu sein, ist halt ein Schicksal, von dem einen niemand befreien kann”. Gut, das mag deine Sichtweise sein, aber es ist für mich erstaunlich, wie wenig in deinem Text die Männer vorkommen. Oder ist es für dich auch feministisch, wenn sich die Männer ein Stück weit aus ihrer “Karriere” (Pflichterfüllung!) zurückziehen und sich beispielsweise in den ersten Jahren ums Kind kümmern?
“Im Arbeitleben wird von den Frauen ein 120iger Einsatz gefordert. Wollen sie sich profilieren, müssen sie mehr Können und größeren Einsatz zeigen als männliche Kollegen.” Und warum ist das so? Und warum nimmst du es einfach so hin? Sollten nicht alle Leute vollen Einsatz zeigen, unabhängig vom Geschlecht? Siehst du, genau das ist es doch, was die Feministinnen so auf die Palme bringt. Du siehst die Ungerechtigkeit, gibst sie sogar unumwunden zu, aber sie stört dich nicht! Warum? Weil eine Frau eine “natürliche Bestimmung” hat? Und die natürliche Bestimmung des Mannes? Schuften, schuften, schuften, und die Kinder kriegt er nicht zu Gesicht, weil sie schon im Bett sind, wenn er heimkommt? Glaubst du, das macht denen Spaß? Ach ja: Warum ist denn die Arbeitswelt von Männern dominiert? Wegen Sichtweisen wie deiner.
Ich bin Feministin, weil ich mich einfach nicht damit abfinden will, angeblich die A****karte gezogen zu haben. Das hab ich nämlich laut deinem Text. Ich habe halt einfach keine Lust darauf, dass alles (Haushalt, Kinder) an den Frauen hängen bleibt.
Und was ist mit unfruchtbaren Frauen, Lesben etc.? Sind die nicht vollwertig? Das hat mich auch schon am “Eva-Prinzip” gestört: Es gibt auch homosexuelle Familien. Wie sollen die es machen, wer soll da arbeiten, wenn die natürliche Bestimmung der Frau angeblich die “Geborgenheit der Familie” ist? Aber meine Erfahrungen sind, dass Leute wie du Homosexualität sowieso als “Abweichung von der Norm” etc. begreifen.
“Ist nicht auch dieser Zwiespalt eine Ursache, dass Beziehungen immer schneller zerbrechen, dass zu wenig Kinder geboren werden oder dass ganz und gar auf Kinder verzichtet wird, die man im Falle einer angestrebten Karriere sowieso schnellstmöglich und mit schlechtem Gewissen in fremde Hände geben müsste?”
Das übliche Totschlagargument. (Bingo!) Nein, ist er nicht. Der Zwiespalt ist vielmehr, dass die Frauen inzwischen keine schlichten Weibchen mehr sind und arbeiten wollen, weil sie sich daheim langweilen und unterfordert fühlen, aber daheimbleiben MÜSSEN, weil es nicht genug “fremde Hände” gibt, die sich um die Kinder kümmern, während frau bei der Arbeit ist.
Ich bin auf jeden Fall stolz, in den “Sog der Feministenbewegung geraten” zu sein, weil ich nicht will, dass meine Kinder mich irgendwann mal fragen: “Mama, warum hast du die Welt nicht verändert?” (das Revoluzzer-Gen ist sehr ausgeprägt in meiner Familie) und ich dann antworten muss: “Weil ich euch unbedingt beglucken wollte.” In Skandinavien wird Fremdbetreuung sowieso von einer ganz anderen Seite gesehen: Das Kind hat ein Recht, auch mal ein paar Stunden am Tag was anderes zu erleben als seine Mutter.
Ich habe einfach keinen Bock darauf, dass meine Talente ungenutzt bleiben sollen, nur weil ich Kinder habe. Und Hausfrauen halte ich für einfältig und faul (meine Mama findet das übrigens auch).
August 11th, 2009 in 5:56
Ich habe diesen Text mit steigendem Unglauben gelesen.
„Mit der Wahl der Karriere im Beruf gibt die Frau ein gutes Stück weit sich selbst auf. Alles das, was eine Frau im eigentlichen Sinne ausmacht, rückt in den Hintergrund, oder es wird total negiert.“
Was macht denn eine Frau im eigentlichen Sinne aus, sollte mal gefragt werden. Frauen sind also eine homogene Masse, die einzig und alleine ihr Glück in der für sie biologisch vorgesehen Rolle finden können. Dem gebären von Kindern. Der Aufzucht und der Fürsorge für einen Ehemann. Individualität kann man getrost im Zusammenhang mit dem Wesen Frau, außen vorlassen. Frauen die berufliche Ambitionen (und damit meine ich keine Aushilfsjobs oder eine Stelle als „Familienmanagerin“) hegen und diesen auch nachgehen, können somit nur unglücklich sein. Viel lieber wären sie doch zu Hause um Kinder zu umsorgen und Marmelade zu kochen und ureigene Weiblichkeit zu leben.
Ich bin beruflich erfolgreich und ich habe keine Kinder. Nicht weil ich den Spagat zwischen Beruf und Familie fürchte (nein ich bin nicht der Meinung dass eine Mutter 18 Jahre, 24 Stunden am Tag am Herd glucken muss) sondern einfach weil ich keine Kinder will. Ich finde es nicht erstrebenswert Mutter zu sein. Für mich ist das kein „Verzicht“, ein „Verzicht“ wäre für mich ein Leben mit Kindern. Das heißt aber nicht, dass ich jeder Mutter abspreche dieses Leben für sich erfüllend zu finden. Doch im Umkehrschluss wird genau dies hier mit Frauen getan, die keine Kinder wollen. Das kann es doch nicht geben, jede Frau will doch Kinder. Eine Frau hat demnach keinen eigenen Willen und wird zum Opfer überholter Urtriebe, die das Streben nach Mutterschaft zu dem zentralen Thema im Leben einer jeden Frau machen. Selten habe ich einen solchen Blödsinn gelesen.
Traurig, dass hier durch den Text ein derart pauschales Frauenbild geschaffen wird. Darüber solltet ihr vielleicht mal nachdenken. Ihr könnt nicht euch und eure Wünsche pauschal als kollektive Weiblichkeit werten. Es gibt Frauen die gerne arbeiten und um Gottes Willen nicht zurück in die Küche wollen!