Kosmetikprodukte und allergische Erkrankungen
Autor: Anika • Sonntag, 15. Juni 2008, 12:14 UhrKategorie: Körper und Seele
In den letzten Jahrzehnten ist ein Anstieg der Häufigkeit an allergischen Erkrankungen zu beobachten, für den es noch keine befriedigende Erklärung gibt.
Der Deutsche Allergie- und Asthmabund schätzt, dass etwa neun Prozent der Deutschen an einer Kontaktallergie leiden, und in vielen Fällen sind kosmetische Präparate die Ursache.
Kosmetikprodukte und allergische Erkrankungen
Im Jahre 1906 prägte ein Wiener Kinderarzt den Begriff „Allergie“. Er beobachtete bei Patienten eine „überschießende“ Abwehrreaktion des Immunsystems auf bestimmte Umweltstoffe, die normalerweise harmlos waren, jedoch in einigen Fällen entzündliche Prozesse auslösten, die sich in typischen Symptomen äußerten.
Allergische Reaktionen treten an den Schleimhäuten, in den Atemwegen, im Magen-Darm-Trakt, als lebensbedrohlicher anaphylaktischer Schock und als Kontaktekzem der Haut auf, das der Gegenstand dieses Artikels sein soll.
Allen Allergiearten gemeinsam ist, dass Auslöser der Allergie so genannte Allergene sind, also Stoffe, die das Immunsystem eines Menschen als fremd erkennt und gegen die ein fehlgeleiteter Abwehrmechanismus in Gang gesetzt wird. Fehlgeleitet ist er deshalb, weil die gebildeten Antikörper den Organismus nicht schützen, wie es ihre eigentliche Aufgabe ist, sondern weil sie eine Überempfindlichkeitsreaktion auslösen.
Hat das Immunsystem einmal allergisch reagiert, wird es sich immer wieder an die als fremd erkannten Stoffe „erinnern“ und bei erneutem Kontakt mit ihnen die allergische Reaktion auslösen. Der Mensch bleibt also ein Leben lang allergisch.
Die Kontaktallergie, wie sie uns im kosmetischen Bereich begegnet, ist eine Spättypallergie, was bedeutet, dass Reaktionen auf ein Präparat erst 24 bis 72 stunden nach der Anwendung auftreten.
Symptome sind örtlich begrenzte, juckende, rötliche, eventuell nässende Hautausschläge.
Häufig entwickelt sich eine Allergie gegen bestimmte Wirkstoffe in kosmetischen Präparaten erst nach wochenlanger Anwendung, d.h. der Körper sensibilisiert sich nicht von heute auf morgen, und auch ein Präparat, das bisher gut vertragen wurde, kann plötzlich eine allergische Reaktion hervorrufen.
Ein Beispiel, wie dramatisch eine solche Kontaktallergie verlaufen kann, wird auf dem folgenden Foto demonstriert:

(Mein Dank geht an Frau Dr. Regina Fölster-Hölst, Oberärztin an der Universitäts-Hautklinik Kiel, für die Erlaubis, das Foto zu nutzen, und an Frau Dr. Petra von der Lage für die freundliche Vermittlung.)
Die meisten Kontaktallergien entstehen durch die in den Präparaten enthaltenen Duft- und Konservierungsstoffe. Das betrifft die pflegende Kosmetik ebenso wie die dekorative und ebenso alle Parfums.
Die Hersteller von Kosmetika haben sich zwar an EU-Richtlinien zu halten und sind seit Mitte 1999 verpflichtet, alle Inhaltsstoffe vollständig in der Reihenfolge ihrer Konzentration absteigend zu deklarieren, doch grundsätzlich bestehen bei allen Kosmetikprodukten Allergierisiken gegen die enthaltenen Wirkstoffe, denn nur ein Teil der eingesetzten Substanzen und Duftstoffe sind auf gesundheitliche Unbedenklichkeit geprüft.
Die Schlussfolgerung daraus kann nur lauten, dass es ratsam ist, nur Kosmetikartikel mit möglichst wenigen Inhaltsstoffen zu verwenden. Die Vermischung bestimmter und zahlreicher Zutaten kann das Allergierisiko vergrößern.
Es ist nicht möglich eine Liste zu erstellen, welche Inhaltsstoffe allergisch wirken, denn die Bereitschaft für eine Allergie variiert von Mensch zu Mensch.
Was ist nun zu tun, wenn eine Unverträglichkeit kosmetischer Stoffe eintritt?
Bemerkt man die Symptome (begrenzte, gerötete Hautstellen, Jucken, Brennen, eventuell Nässen) ist das Präparat, das als Ursache in Frage kommt, sofort abzusetzen. Ein Hautarzt sollte aufgesucht werden, dem das entsprechende Produkt vorgelegt wird, damit er sich über die Inhaltsstoffe informieren kann. Wichtige Angaben, die eine Diagnose erleichtern, sind Angaben zur Form der Anwendung und der Einwirkzeit des Präparates.
Um den Wirkstoff, der für die allergische Reaktion verantwortlich ist, zu identifizieren, wird der Hautarzt einen so genannten Provokationstest durchführen, einen Standardtest, bei dem die Haut mit dem vermutlich die Allergie auslösenden Material in Berührung gebracht wird. An den lokalen Reaktionen können nach 24 bis 72 Stunden Allergiequellen und Schweregrad der Allergie abgelesen werden.
(Quelle: Nutzung mit freundlicher Genehmigung von www.hal-allergie.de.
Mein Dank geht an Herrn Matthias Schütte, Produktmanager der
HAL ALLERGIE GMBH Düsseldorf.)
Wer unter einer Kontaktallergie leidet, die auf Inhaltsstoffe in kosmetischen Produkten zurückzuführen ist, sollte generell sparsam mit Kosmetika umgehen. Wichtig ist das sorgsame Studium der Inhaltsstoffe.
Das gilt auch für Präparate, die für die empfindliche Haut hergestellt werden, denn die Empfehlung „für empfindliche/sensible Haut“ sagt nichts darüber, dass diese Produkte nicht doch allergene Zutaten enthalten können.
Für Allergiker werden zuweilen Produkte mit dem Zusatz „hypoallergen“ empfohlen. Der Begriff assoziiert, dass diese Produkte frei von allergieauslösenden Substanzen sind. Nach heutigen Erkenntnissen kann man dieser Angabe nicht trauen. Sie bedeutet lediglich, dass die Präparate frei von Stoffen sind, die bisher noch keine Allergien auslösten.
Eine Möglichkeit für Allergiker wäre es, auf die so genannte „Naturkosmetik“ umzusteigen. Für diese Produkte werden ausschließlich Naturstoffe verarbeitet, doch auch das ist kein Garant dafür, dass nicht allergische Reaktionen z.B. durch ätherische Öle oder andere Bestandteile ausgelöst werden.
Hautschonende Naturkosmetika sind für den Verbraucher erkennbar am Siegel „Kontrollierte Naturkosmetik“ des Bundesverbandes Deutscher Industrie- und Handelsunternehmen für Arzneimittel, Reformwaren, Nahrungsergänzungsmittel und Körperpflegemittel (BDIH).
Der Vollständigkeit halber ist noch darauf hinzuweisen, dass man auch eigene Kosmetikartikel herstellen kann. Es gibt Bücher zu diesem Thema mit den entsprechenden Anleitungen, und die Zutaten werden in speziellen Naturläden vertrieben. Dort kann man die Grundsubstanzen, wie ätherische Öle, Emulgatoren, Blütenwässerchen und Wachse für Cremes und ebenso für Artikel aus der dekorativen Kosmetik und die Ausrüstung kaufen, die zur Herstellung nötig ist.
Eine Garantie, dass man nicht doch auf bestimmte Stoffe allergisch reagiert, hat man jedoch auch hier nicht. Man umgeht möglicherweise lediglich die Verwendung von Konservierungs- und Duftstoffen, die sehr oft der Auslöser für eine Kontaktallergie sind.
Welche Möglichkeiten bleiben dem Allergiker nun noch, seine Haut zu pflegen, wenn alle Möglichkeiten ausgeschöpft sind?
Es bleibt der Gang mit dem Allergiepass in die Apotheke, um sich beraten zu lassen, und in ganz schweren Fällen wird der Hautarzt ein Rezept mit einer entsprechenden Rezeptur ausschreiben, nach dem in der Apotheke spezielle Pflegemittel gemischt werden.
Schwere allergische Reaktionen gehören auf jeden Fall in die Hand des Arztes - das betrifft auf jeden Fall auch allergische Reaktionen der Augen, z.B. auf Färbemittel - während man sich bei kleineren Irritierungen der Haut an eine Apotheke wenden kann, die Präparate mit einer sehr geringen Kortisondosierung bereithält.
Quellen zur Informationsgewinnung:
www.hal-allergie.de/allergie.htm
Anika ist Trägerin des Ginger-Gens,
Antifeministin,
Kämpferin gegen Pickel, Falten und Damenbärte. ;-)
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Februar 11th, 2009 in 12:15
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