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Freitag, der 10. Februar 2012
Männer im Kosmetikstudio

Männer im Kosmetikstudio

Autor: Anika • Sonntag, 15. Juni 2008, 13:33 Uhr
   Kategorie: Männer, Titelthema

 

Männer im Kosmetikstudio

Eine Diskussion über das leidige Mitesserproblem hat mich zu Gedanken über Männer im Kosmetikstudio inspiriert.

Mein Dank geht insbesondere an Piet, der offensichtlich die Spezies „Es ist ja schön, aber hoffentlich sieht mich keiner“ vertritt. Wobei mir seine Ironie durchaus bewusst ist. Danke, Piet, für die Inspiration!

Auf die Gattung der „Angsthasen“ werde ich noch zu sprechen kommen.

Ich betreibe diese Dienstleistung nun schon viele Jahre, und das erlaubt es mir, die männlichen Kunden in gewisse „Schubladen“ zu stecken. Und ich tu das mit einem Augenzwinkern, also fasst es auch als liebevolle Ironie auf.

Der Treue

Dieser Kunde kommt seit Jahren pünktlich und unverdrossen. Er weiß, wohin mit seinen Sachen, nimmt Platz und genießt die Behandlung. Meist ist er von seiner Frau geschickt, die auch bei mir Kundin ist. Wir kennen uns nun schon so lange, dass wir uns über dieses und jenes unterhalten können, und die Palette reicht von Ringelnatz über Babypflege bis hin zum aktuellen Weltgeschehen.

Durch die regelmäßige Pflege habe ich kaum etwas zu tun, und das wohl auch deshalb, weil er meine gut gemeinten Ratschläge annimmt und akzeptiert.

Eine angenehme Spezies, die mir meinen Beruf zu einem Vergnügen macht.

Der Pubertierende

Mit dieser Gattung wird sich wohl kaum jemand von euch identifizieren.

Es handelt sich um Jugendliche mit den entsprechenden quälenden Akne-Problemen. In den meisten Fällen werden sie von ihren Müttern geschickt, die sich im Vorfeld vergeblich an Pusteln und Mitessern versuchen wollten, doch blieb es beim Versuchen, weil der „Patient“ sich mit viel Geschrei weigerte, Mama auch nur in die Nähe seiner Gesichts- oder -Rückenprobleme zu lassen.

Liegt er erst ein wenig verunsichert auf meiner Behandlungsliege, mutiert er zum wahren Kerl, der mutig und nach außen gelassen alle meine schmerzhaften Eingriffe erträgt und nicht einmal zuckt, wenn ich eine sterile Kanüle auspacke, um Grießkörnchen zu entfernen.

Meist sieht er nach der Behandlung schlimmer aus als vorher, aber er glaubt vertrauensvoll meiner Versicherung, dass bis zum nächsten Date alles wieder gut ist.

Der Schönheitsbewusste

Auch er erscheint regelmäßig.

Meist handelt es sich um einen Anzugträger, der im entsprechenden Beruf arbeitet, wo Wert auf ein gepflegtes Äußeres gelegt wird. Sorgsam hängt er seinen feinen Zwirn auf die Kleiderbügel und nimmt Platz.

Jetzt kann ich alle Register ziehen und verschiedene Extras anbieten und anwenden, die über die übliche Behandlung hinausgehen.

Ebenfalls eine angenehme Sorte, weil sie Umsatz macht. Das erleichtert es mir, über mögliche „Komplimente“, ich sähe heute wieder bezaubernd aus, und ich hätte so schöne weiche Hände (wie Katzenpfötchen *g*) hinwegzuhören.

Manchmal lässt er sich die Augebrauen ein wenig in Form zupfen und die Wimpern färben, natürlich dezent mit brauner Farbe. Er sollte aber nicht verwechselt werden mit einer anderen Spezies.

Der Sportliche

Er kommt, wie er gerade ist. Das kann direkt vom Training oder vom Laufen sein. Er „duftet“ männlich markant, was aber nicht weiter schlimm ist, weil die Behandlung nicht lange dauert, denn meist verlangt er nur eine Teilbehandlung wegen etwaiger Mitesser.

Seine Turnschuhe dünsten derweil neben der Liege aus, und meine Katze Mausi findet das wunderbar. Sie würde am liebsten den Kopf in diese duftende Pracht stecken, wenn sie das dürfte.

Der Sportliche ist unkompliziert. Er macht zwar keinen besonderen Umsatz, ist aber angenehm im Umgang.

Der Scheue

Er betritt verunsichert das Studio und blickt sich verschüchtert um. In seinen Augen lese ich die stumme Botschaft : „Tu mir nicht weh!“

Ich geleite ihn zum Behandlungsplatz und versuche, Sicherheit zu vermitteln, indem ich ihm mit liebreizendem Lächeln die Behandlungsschritte erkläre und ihm sämtliche Instrumente und Cremetöpfchen unter die Nase halte.

Hat er erst Vertrauen gefasst, ist er ein sehr angenehmer Kunde, der mir treu bleibt.

Der Muskel-Proll

Er betritt souverän das Studio und hat scheinbar Rasierklingen unter den Achseln. Seine Präsenz ist enorm, und ich erwarte eigentlich so was wie: „Na, Puppe, da wolln wa ma!“ Das verunsichert mich in keiner Weise, zum einen, weil ich nicht mehr blutjung bin, zum anderen, weil ich einige Überraschungen für ihn bereithalte, von denen er scheinbar noch nichts weiß.

Ich weise ihm den Weg, doch er lässt mich vorangehen, und ich habe das drängende Gefühl, dass er grad meinen Hintern taxiert.

Betont langsam zieht er sein Shirt aus, damit ich den Sixpack nicht übersehe.

Nun gut, ich nehme ihn zur Kenntnis.

Dann liegt er breitbeinig da und hat die Daumen in seinen Gürtel gehakt. Von der Seite her ordne ich das Handtuch auf seiner Brust und erwarte - ein wenig panisch jetzt - dass er mir gleich an den Hintern fassen wird. Also setze ich mich schnellsten. Im Gespräch vermeide ich tunlichst das vertrauliche Du.

Ach ja! Schnell noch einen Zwischenspurt zum CD-Player, denn romantische Musik will ich jetzt nicht haben.

Die Ausreinigung fällt sehr kraftvoll aus (Ich habe zwar kleine, aber kräftige Hände.) Und manchmal spüre ich ein verhaltenes Zucken seiner Gesichtsmuskulatur, als ich die Nase in Arbeit habe.

Die Situation entspannt sich während der Massage. Er schnurrt wie ein Kater, bis ich plötzlich als Fremdgeräusch einen Schnarcher höre.

Das ist wunderbar, denn es versetzt mich in die glückliche Lage, diesen oder jenen Griff zu übergehen, um Zeit zu sparen und schneller mit ihm fertig zu sein.

Es kann nun sein, dass er am Schluss gern enthaart werden möchte, denn kein Härchen soll diesen Adonis vom Typ „California Dream Boys“ verunzieren. Auf Brust und Rücken, versteht sich.

Aber ja doch! Liebend gern.

Also her mit den Wachsstreifen und ab geht die Post, und sein mühsam verhaltenes Aufstöhnen ist Musik in meinen Ohren.

Aber er kommt immer wieder!

Der Angsthase

Er kommt gern. Hat sich die Studiotür erst hinter ihm geschlossen, ist er gelöst und mutig. Er hat keine Angst vor der Behandlung, sondern davor, dass ihn jemand sieht, wie er ein Kosmetikstudio betritt. Bevor er die rettende Tür erreicht, blickt er sich immer wieder um.

Was sollen seine Kumpel dazu sagen? Es ist so unmännlich!

Glücklicherweise ist diese Spezies am Aussterben, denn immer mehr Männer nehmen meine Dienste in Anspruch. sie haben längst eingesehen, dass Kosmetik nichts zu tun hat mit Schminke und Eitelkeit, sonder einfach nur mit Pflege.

Vom anderen Ufer

Ein sehr angenehmer Kunde, den ich behandeln kann, ohne befürchten zu müssen, dass ich Anzüglichkeiten aushalten muss.

Die Behandlungspalette ist breit. Ich darf Augenbrauen zupfen und färben, und im Gespräch fühle ich mich sehr wohl.

Der Naturbursche

Ich mag ihn. Er ist unkompliziert, ist bereit, Schmerzen zu ertragen, und sehr dankbar, wenn ich ihn von den lästigen dunklen Pünktchen auf seiner Nase befreie.

Oft sind es Männer, die viel im Freien arbeiten müssen und mit Staub und Dreck zu tun haben. Sie haben eingesehen, dass besonders ihre Haut Pflege braucht und sind also motiviert und für guten Rat dankbar.

Die nackte Wahrheit

Bei dieser Spezies muss ich psychologisch vorgehen, denn es gibt zwei Arten, wie ich beschreiben werde.

Ein junger Kunde bittet mich verschämt um eine Enthaarung im Intimbereich. Das nehme ich sehr ernst. Ich erkläre sehr sachlich, warum ich das grundsätzlich nicht mache und mit meinen Mitteln schon gar nicht.

Meine Sachlichkeit hilft ihm, er verliert seine Scheu und nimmt mich ernst, wenn ich ihm rate, das zu Hause zu tun, vielleicht mit Hilfe seiner Freundin. Es ist zum Schluss ein Gespräch ohne Peinlichkeit.

Dann gibt es jenen Typ, der mich grinsend fragt, mich abschätzt und hofft, dass ich verlegen werde. Bei ihm würde ich gern mal meine Wachsstreifen ausprobieren. nicht wegen seines Gemächts, sondern um ihm einfach das das anzügliche, unverschämte Grinsen aus dem Gesicht zu wischen.

Der Typ ist schneller wieder draußen, als er „Tschüss!“ sagen kann. ein Gespräch lohnt sich nicht.

Der Forsche/Eingeweihte

Zu Beginn meines Arbeitstages lese ich die Einträge in meinem Terminbuch, um mich auf die zu erwartenden Kunden einzustellen.

Ein Name sagt mir nichts. Wahrscheinlich wurde der Termin schon vor Wochen vereinbart, vielleicht telefonisch, und ich kann mich nicht mehr erinnern. So weiß ich nicht, ist es eine Kundin oder ein Kunde.

In meiner Praxis gibt es einen kleinen Wartebereich mit einem Tisch und bequemen Stühlen für Kunden, die zu früh da sind und noch etwas warten müssen. Sie können die Zeitung lesen und etwas trinken, wenn sie mögen.

ER mag nicht. ER ist viel zu früh, aber ER mag nicht.

Der Forsche/Eingeweihte verschmäht also diesen Service. Er geht sofort nach seiner Ankunft weiter bis zur „RESTRICTED AREA“, wo ich noch am Arbeiten bin und ignoriert das dezente Hinweisschild „Bitte nehmen sie im Wartebereich Platz.“

Einem neuen Kunden, der sich nicht auskennt, verzeihe ich natürlich dieses forsche Vorgehen, und dementsprechend lieb fällt mein Lächeln aus, und meine Stimme ist an Sanftheit nicht zu überbieten.

ICH: Bitte nehmen Sie vorn Platz. Ich bin gleich für Sie da.

ER: Schaut missbilligend und etwas ungehalten auf seine Armbanduhr und trollt

sich. Selbst sein mir nun zugewandter Rücken signalisiert Befremdung.

Leider befindet sich die Kundin, die ich noch in Arbeit habe, in einem Zustand, den sie nicht gern der Öffentlichkeit präsentieren möchte: Eine dicke Schicht einer dottergelben Crememaske ist noch aufgetragen, und die Augenbrauenfarbe noch nicht abgenommen.

Ich entschuldige mich bei ihr.

Fünfzehn Minuten bleiben mir noch bis zur Zeit X, und das schaffe ich bequem. ER wird pünktlich auf der Behandlungsliege Platz nehmen können. Ich bin immer pünktlich.

Dann ist es soweit…

Während er sich bereit macht, hab ich Zeit, ihn unauffällig zu begutachten:

Ein Mann in mittleren Jahren, Anzug, Krawatte, Ton in Ton mit seinem Hemd. Blitzblanke teure Schuhe, kurz geschnittenes dunkles Haar. Kurzum eine gepflegte Erscheinung. Ist mir egal. Selbst wenn er die Inkarnation von Rock Hudson wäre…

Er nimmt Platz, mustert mein Equipment, und sein scharfer Blick fällt auf das Bedampfungsgerät.

ER: Ist das ein Vopazon?“

Oh, ein Insider, denke ich, innerlich breit grinsend. Er meint Vapozon.

Ich: Nein, das ist Kräuterbedampfer.

ER: Gut, dann dürfen Sie ihn benutzen. Den Vopazon vertrage ich nicht.

Inzwischen liegt er. Ich bin froh. Wir kommen also vorwärts.

ER: Ich hab eine sehr empfindliche Haut. Sie müssen etwas für empfindliche Haut nehmen!. Am besten mit Kamillenextrakt. Und keine Creme an die Augen, bitte! Sie sind sehr empfindlich. Und achten sie darauf, nicht zu fest zu drücken und zu massieren! Meine Haut ist sehr empfindlich…blablabla…

Ich schaue inzwischen durch die Lupenleuchte und sehe eine gepflegte, gesunde Männerhaut ohne Besonderheiten und bin fest davon überzeugt, dass es sehr interessant und etwas Besonderes für ihn sein muss, eine empfindliche Haut zu haben.) Herrschaftszeiten, denke ich.

Was nun folgt ist pure Psychologie: Ich mache eine gründliche Anamnese und vermerke seine Antworten in der Kartei. Das wirkt kompetent, schafft Vertrauen und zeugt von meiner Professionalität. Mein Ziel ist es, ihm dadurch endlich das Maul zu stopfen.

ICH: (sehr verständnisvoll) Ja, natürlich. Ich sehe schon. Machen sie sich keine Sorgen. Ich habe hier eine hervorragende Creme aus der Sensitiv-Serie. Die vertragen sogar Babys.

Ich halte sie ihm unter die Nase und lese ihm mit sanfter Stimme die Ingredienzien vor und hole sogar das Buch, in dem die lateinischen Begriffe erläutert werden.

Er scheint beruhigt.

Nach der Reinigung verlangt es ihn nach einem Ampullenpräparat, das ich mittels galvanischen Gleichstroms einschleusen soll. Er kennt sich also aus.

Selbstverständlich mache ich das. Es wird mich meine Kaffeepause kosten. Aber ER ist der Kunde…Und ich werde ihm eine saftige Rechnung präsentieren.

Also her mit der Maske, anfeuchten, rauf aufs Gesicht, die Gegenstücke in den Rücken geklebt, die Kontakte gestöpselt, schwarz zu schwarz und weiß zu weiß, Stromstärke regulieren.

Der Vorgang dauert 15 Minuten. Zeit zum Verschnaufen.

ER: (dumpf unter der Stoffmaske hervor) Da stimmt was nicht. Ich merke nichts. Ich müsste doch etwas merken. Da stimmt doch was nicht.

ICH: Es ist alles in Ordnung. Sie dürfen auch nichts merken. Wenn sie etwas merken, mache ich es nicht richtig.

ER: Taut auf, redet und redet. Über seine zahlreichen Studiobesuche und dass er nie zufrieden war… Blablabla…

Meine rechte Hand beginnt zu zucken und sich nach rechts in Richtung des Reglers zu bewegen. Ich verspüre das fast unbezwingbare Bedürfnis, am Regler zu drehen und die Stromstärke zu erhöhen. Er würde Nadelstiche spüren und am Schluss einige rote Flecken im Gesicht haben. Ich halte meine rechte Hand mit der linken fest.

Während der anschließenden Massage verstummt er nach einer kleinen Weile und scheint in ein wohliges Koma zu fallen. Welch selige Ruhe…

Der Rest der Behandlung verläuft dann offensichtlich zu seiner Zufriedenheit. Ich bekomme keine Hinweise mehr, wie ich meine Arbeit zu machen habe.

Ein Wermutstropfen fällt in mein Glücksgefühl, als er sich nach der Behandlung sehr kritisch im großen Spiegel betrachtet.

ER: Na, ich hätte ja nicht gedacht, dass das beim ersten Mal so gut klappt.

ICH: (Auf der Zunge habe ich zwei Antworten. Ich entscheide mich für die zweite und lächle lieb.)

Schön, dass es Ihnen gefallen hat.

Die erste wäre gewesen: Ja, du mich auch…

Und dann: Oh Schreck! er verlangt nach einem neuen Termin… Den bekommt er natürlich, denn ich bin nicht nur Andrea, der Mensch, sondern auch Andrea, die ein Geschäft zu führen hat.

Nach einer längeren Phase der Ruhe hatte ich es heute mit einem besonderen Exemplar der Spezies Mann zu tun: Das personifizierte Selbstbewusstsein und die unerschütterliche Überzeugung, in jedem Fall das Richtige zu tun (auch für andere und auch gegen ihren Willen): Der penetrante Besserwisser, Armleuchter und Scheißkerl

Nein, er erschien nicht selbst als Kunde mit einem kosmetischen Problem oder dem Wunsch nach Verschönerung und Wohlbefinden.

Nein, er hatte sein Frauchen im Schlepp.

„Frauchen“ ist der richtige Name für diese arme Kreatur, die verhuscht und verzagt hinter ihm her schlich.

Wenn ich ein solches Paar sehe, bin ich intuitiv auf der Seite der Frau, und auch hier durfte ich meinem Instinkt vertrauen.

„Meine Frau hat Akne!“ hörte ich. „Ich habe mich schon selbst darum gekümmert, aber sie sollten sich das noch mal ansehen!“ hörte ich weiter.

Ich war voll mütterlicher Gefühle (der Frau gegenüber) und voll widerstreitender Gefühle, die von aufsteigendem Ärger bis hin zu einem wenig überlegenden „Idiot“ (dem Mann gegenüber) reichten.

Also bettete ich die Kundin mit aller Sorgfalt und Sanftheit, lächelte ihr zu, deckte sie zu und nahm nach einem aufmunternden Blick hinter ihr Platz.

Der Mann setzte sich NICHT auf den Stuhl im Wartebereich, den ich ihm zugedacht hatte. Nein, er blieb neben der Behandlungsliege stehen, während ich durch die Lupenleuchte auf das Elend blickte, das sich mir bot: Frische und schon abgeheilte Pusteln, rote und dunkle, schon verhärtete Flecken, die offenbar von früheren „Behandlungsversuchen“ der gröberen Art herrührten.

Doch das war nicht alles, was ich sah: Ein riesiger Finger schob sich in mein Arbeitsfeld. SEIN Finger war es, stark vergrößert durch die Lupe. Er tippte dorthin, und er tippte hierhin, und begleitete seine Tipperei mit gebieterischen Worten: „Sehen sie hier…und hier…und hier… und da…! Das muss alles raus! Ich habe schon alles versucht.“

Nun, das Ergebnis seiner Versuche sah ich.

Das Frauchen zog sich regelrecht in sich selbst zurück und schien unter seinem tippenden Finger zu schrumpfen.

Was für ein penetranter Kerl! Wie konnte ich ihn loswerden?

Ein Bedürfnis kam mir zu Hilfe, und ich war ihn zumindest für eine kurze Zeit los: Er musste aufs Klo. Doch im Abgang signalisierte sein gestraffter Rücken: „I`ll be back!“

Trotzdem gelang es mir, wenigstens ein paar Worte mit der Kundin allein zu reden, mit denen ich sie beruhigte und mit denen ich versuchte, Zuversicht zu vermitteln.

Er kam wieder, sichtlich erleichtert und voller Tatendrang, mir die Richtung zu weisen.

Während ich reinigte und ausreinigte und desinfizierte und wieder ausreinigte und wieder desinfizierte, sprang er neben der Liege hin und her und beobachtete mit Argusaugen jeden meiner Handgriffe.

Das Frauchen lag ergeben da. Sie kannte ihn. Ich wollte ihr ein bisschen Entspannung gönnen, also riet ich zu einer Massage, was ER kategorisch ablehnte. Natürlich, ohne seine Frau zu fragen. Erst als ich recht energisch wurde mit der Begründung, diese strapazierte Haut müsse unbedingt beruhigt werden, gab er nach. Wenigstens nahm er für die Dauer der Massage auf einem Stuhl Platz.

Ich war so sauer, was nicht unbedingt gut ist, wenn ich massiere, weil ich Ausgeglichenheit und Ruhe rüberbringen sollte.

Kürzen wir das Ganze hier mal ab.

Er beobachtete seine Frau und mich, machte ein paar Mal den Mund auf, um was einzuwerfen, doch ich schoss Blitze in seine Richtung, und er stand auf und setze sich wieder und war baff, dass eine FRAU ihm so entgegentrat, und… schwieg. Ich war Sieger nach Punkten.

Den Rest schenken wir uns bis auf die abschließende Episode an der Kasse.

Ich ermahnte diesen Kerl eindringlich, die Finger vom Gesicht seiner Frau zu lassen. Ich malte ein Horrorszenario von Narbenbildung und dauerhafter Entstellung, und er wäre daran schuld, wenn er die Haut seiner Frau nicht ihr selbst und einem Profi überließe. Und er müsste das nächste Mal auch nicht mitkommen, weil ich wüsste, was ich tue.

Sie blickte mich an und hat sich, glaub ich, gefreut. Er blickte mich nicht an. Er hasst mich, glaub ich.

Ich hoffe, ich sehe sie wieder… die Frau meine ich. Ohne ihn.

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Fazit: So geht`s zu, Männer! Das ist mitten aus dem Leben einer Kosmetikerin gegriffen. (Vergesst nicht: Das, was ich geschrieben habe, ist Ironie und doch wahr.

Welcher Typ seid ihr?

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Anika ist Trägerin des Ginger-Gens, Antifeministin, Kämpferin gegen Pickel, Falten und Damenbärte. ;-)
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7 Antworten auf “Männer im Kosmetikstudio”

  1. MeisterLampe Schreibt:

    Hrhrhrhr….
    sehr nett ;)

    Du könntest damit wohl ein Buch füllen ;)

  2. Anika Schreibt:

    Da hast du recht. ;-)
    Der Gerechtigkeit halber muss ich aber sagen, dass ich auch über Frauen viel schreiben könnte, und das wäre vielleicht um einiges “bissiger”. :-)

  3. Canova Schreibt:

    Darauf bin ich dann mal gespannt. :)

  4. Korbinian Schreibt:

    Echt toll geschrieben, nett zum Lesen.

  5. JUERGEN Schreibt:

    hallo Anika
    “Thema: Männer im Kosmetikstudio”
    Habe sehr aufmerksam deine detaillierten Ausführungen gelesen und mich dabei schmunzelnd amüsiert. Danke für die unterhaltsamen Einblicke in die Praxiswelt aus Sicht einer Kosmetikerin. Wie schon einer meiner Vorredner so treffend bemerkte, solltest Du wirklich deine Erlebnisse in einem Buch niederschreiben. Ich fühle mich jedenfalls angesprochen, auch einmal ein Kosmetikstudio zu besuchen. Schaden kann es sicherlich nicht und vielleicht erleichtert es, die tägliche Gesichtspflege zu verbessern um sich einfach noch wohler zufühlen.

  6. Sylwia Galka Schreibt:

    Sehr guter Beitrag! Weiter so! :)

  7. fashion Schreibt:

    Schöner Artikel der ansatz gefällt mir! :)

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