Stolz
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Anika
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1 Donnerstag, 26.
Juli 2007 um 21:46 Uhr
Mit dem Stolz ist das eine komische Sache, und seit der Diskussion um den Nationalstolz bin ich ins Grübeln geraten, weil ich wegen einiger Dinge überhaupt nicht stolz sein dürfte, wenn ich nach der Definition vorn `žStolz`œ gehe.
(Quelle: Wikipedia)
Das entspricht dem, was Sting im Thread schrieb, in dem es um den Nationalstolz ging:
Ich sträube mich zu sagen: `žIch bin stolz auf mich`œ.
Wenn jemand das von sich sagen würde, dann sähe ich jemanden, der mit geschwellter Brust umherläuft und auf andere herabsieht.
Wären nicht Demut oder - wenn euch das alte Wort nicht gefällt `“ Bescheidenheit und Dankbarkeit angemessener?
Dankbarkeit dafür, dass ihm die Möglichkeiten und Voraussetzungen geschaffen wurden, eine bestimmte Leistung zu vollbringen? Niemand ist allein auf der Welt, und keine Leistung oder Heldentat wird allein vollbracht. An jedem Erfolg ist Fremdleistung beteiligt und sei es `žnur" in der Schaffung der Grundlagen.
Aus diesem Gedankengang heraus halte ich den Stolz auf sich selbst in hohem Maße für überheblich und lächerlich, und mit obiger Definition kann ich mich nicht anfreunden, denn das ist die Art von Stolz, die mich über andere erhebt.
Wenn ich nach der Definition gehe, dann darf ich nicht auf andere stolz sein. Ich bin es aber:
Ich bin stolz auf meine Kinder, die sich gut entwickeln und mir Freude machen und die ihren Weg gehen werden, und ich bin stolz auf einen lieben Menschen, der sein Leben meistert, denn mit ihnen verbindet mich ein Gefühl der Zusammengehörigkeit.
Das ist auch ein wesentlicher Grund dafür, dass du, Sting, keine Veranlassung hast, auf Masso oder auf mich stolz zu sein.
Nach obiger Definition hätte ich wohl Anlass auf mich stolz zu sein, nach meinem eigenen Verständnis nicht.
Gerade was meine Kinder betrifft beschränkt sich der Anteil meiner Bemühungen darauf, dass ich ihnen unabsichtlich in Sekundenschnelle und mit Vergnügen die Hälfte ihrer Gene vererbt habe.
Natürlich habe ich großen Anteil an ihrer Entwicklung, nur ist das kein Verdienst. Ich erfülle meine Pflicht, die ich angenommen habe in dem Augenblick, als ich mich für sie entschied.
Kann man stolz auf sich sein, dass man seine Pflicht erfüllt?
Kann man stolz auf sich sein, weil man einer Selbstverständlichkeit nachkommt?
Mit dem Stolz ist das eine komische Sache, und seit der Diskussion um den Nationalstolz bin ich ins Grübeln geraten, weil ich wegen einiger Dinge überhaupt nicht stolz sein dürfte, wenn ich nach der Definition vorn `žStolz`œ gehe.
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Das entspricht dem, was Sting im Thread schrieb, in dem es um den Nationalstolz ging:
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Ich sträube mich zu sagen: `žIch bin stolz auf mich`œ.
Wenn jemand das von sich sagen würde, dann sähe ich jemanden, der mit geschwellter Brust umherläuft und auf andere herabsieht.
Wären nicht Demut oder - wenn euch das alte Wort nicht gefällt `“ Bescheidenheit und Dankbarkeit angemessener?
Dankbarkeit dafür, dass ihm die Möglichkeiten und Voraussetzungen geschaffen wurden, eine bestimmte Leistung zu vollbringen? Niemand ist allein auf der Welt, und keine Leistung oder Heldentat wird allein vollbracht. An jedem Erfolg ist Fremdleistung beteiligt und sei es `žnur" in der Schaffung der Grundlagen.
Aus diesem Gedankengang heraus halte ich den Stolz auf sich selbst in hohem Maße für überheblich und lächerlich, und mit obiger Definition kann ich mich nicht anfreunden, denn das ist die Art von Stolz, die mich über andere erhebt.
Wenn ich nach der Definition gehe, dann darf ich nicht auf andere stolz sein. Ich bin es aber:
Ich bin stolz auf meine Kinder, die sich gut entwickeln und mir Freude machen und die ihren Weg gehen werden, und ich bin stolz auf einen lieben Menschen, der sein Leben meistert, denn mit ihnen verbindet mich ein Gefühl der Zusammengehörigkeit.
Das ist auch ein wesentlicher Grund dafür, dass du, Sting, keine Veranlassung hast, auf Masso oder auf mich stolz zu sein.
Nach obiger Definition hätte ich wohl Anlass auf mich stolz zu sein, nach meinem eigenen Verständnis nicht.
Gerade was meine Kinder betrifft beschränkt sich der Anteil meiner Bemühungen darauf, dass ich ihnen unabsichtlich in Sekundenschnelle und mit Vergnügen die Hälfte ihrer Gene vererbt habe.
Natürlich habe ich großen Anteil an ihrer Entwicklung, nur ist das kein Verdienst. Ich erfülle meine Pflicht, die ich angenommen habe in dem Augenblick, als ich mich für sie entschied.
Kann man stolz auf sich sein, dass man seine Pflicht erfüllt?
Kann man stolz auf sich sein, weil man einer Selbstverständlichkeit nachkommt?
2 Freitag, 27.
Juli 2007 um 10:36 Uhr
also ich hab im allgemeinen probleme mit kategorisierungen. die meisten passen einfach nicht für mich- und für viele andere auch nicht.
naja, hin und wieder tut es doch ganz gut zu sagen:"maaaann, da ist mir aber etwas tolles gelungen."
ist für mich nicht gleichbedeutend mit auf andere herabzusehen. man kann ja z.b. auch "stolz" bzw. "froh" sein über eine teamleistung (geschieht mir dieser tage häufiger, weil ich etwas wachsen sehen. das hat allerdings nichts mit meiner beschäftigung [job] zu tun.).
natürlich ist es gut und wichtig anderen seine dankbarkeit zu bekunden. allerdings sollte man dabei nicht selber auf der strecke bleiben. in unserer gesellschaft ist es nunmal so, das "demut" meist als schwäche ausgelegt wird und sich andere demütigkeit zu untertan machen und die lage allzu leicht ausnutzen.
eine gesunde mischung machts- oder anders ausgedrückt: jeden tag eine schlechte, eigensinnige tat :mrgreen:
ja, stolz ist eigentlich eine merkwürdige einrichtung. ich würde das wort gerne durch gesundes selbstbewusstsein ersetzten wollen.
ersetz das wort doch einfach durch glück, oder- wie du schon geschrieben hast, durch ein glücksgefühl das auf zusammengehörigkeit bzw. gemeinsames erleben erleben basiert.
zum angeführten beispiel mit deinen kindern: naja, ein wenig stolz kannst du schon sein, wenn du ihnen den weg ebnest. dann halt nur auf den teil, an dem du mitwirkst. jeder mensch ist ein individuum. da ist viel eigenleistung enthalten.
ich würde jetzt z.b. nicht demütig auf die knie fallen und meinem arbeitgeber dafür danken, dass er mir jeden monat betrag x auf mein konto überweisst. genauso wenig würde ich demütig vor der bundesregierung auf die knie fallen und für ein tolles demokratieerlebnis dankbar sein.
genau in diesen bereichen lauert meiner meinung auch die gefahr für ein zuviel an demut. ist doch im grunde genau der umgekehrte fall ---> die gefahr das man steuerbar und lenkbar wird (bei all zuviel demutsbekundungen) ist einfach viel zu gross.
also ich hab im allgemeinen probleme mit kategorisierungen. die meisten passen einfach nicht für mich- und für viele andere auch nicht.
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naja, hin und wieder tut es doch ganz gut zu sagen:"maaaann, da ist mir aber etwas tolles gelungen."
ist für mich nicht gleichbedeutend mit auf andere herabzusehen. man kann ja z.b. auch "stolz" bzw. "froh" sein über eine teamleistung (geschieht mir dieser tage häufiger, weil ich etwas wachsen sehen. das hat allerdings nichts mit meiner beschäftigung [job] zu tun.).
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natürlich ist es gut und wichtig anderen seine dankbarkeit zu bekunden. allerdings sollte man dabei nicht selber auf der strecke bleiben. in unserer gesellschaft ist es nunmal so, das "demut" meist als schwäche ausgelegt wird und sich andere demütigkeit zu untertan machen und die lage allzu leicht ausnutzen.
eine gesunde mischung machts- oder anders ausgedrückt: jeden tag eine schlechte, eigensinnige tat :mrgreen:
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ja, stolz ist eigentlich eine merkwürdige einrichtung. ich würde das wort gerne durch gesundes selbstbewusstsein ersetzten wollen.
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ersetz das wort doch einfach durch glück, oder- wie du schon geschrieben hast, durch ein glücksgefühl das auf zusammengehörigkeit bzw. gemeinsames erleben erleben basiert.
zum angeführten beispiel mit deinen kindern: naja, ein wenig stolz kannst du schon sein, wenn du ihnen den weg ebnest. dann halt nur auf den teil, an dem du mitwirkst. jeder mensch ist ein individuum. da ist viel eigenleistung enthalten.
ich würde jetzt z.b. nicht demütig auf die knie fallen und meinem arbeitgeber dafür danken, dass er mir jeden monat betrag x auf mein konto überweisst. genauso wenig würde ich demütig vor der bundesregierung auf die knie fallen und für ein tolles demokratieerlebnis dankbar sein.
genau in diesen bereichen lauert meiner meinung auch die gefahr für ein zuviel an demut. ist doch im grunde genau der umgekehrte fall ---> die gefahr das man steuerbar und lenkbar wird (bei all zuviel demutsbekundungen) ist einfach viel zu gross.
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3 Freitag, 27.
Juli 2007 um 11:24 Uhr
hmm... ich überlege gerade, wie das für einen Menschen sein muss, gewisse Gefühle zu haben, für die er andere Worte suchen muss, weil die, die er für dieses Gefühl kennt, gesellschaftlich oder moralisch als "schlecht" bezeichnet werden.

hmm... ich überlege gerade, wie das für einen Menschen sein muss, gewisse Gefühle zu haben, für die er andere Worte suchen muss, weil die, die er für dieses Gefühl kennt, gesellschaftlich oder moralisch als "schlecht" bezeichnet werden.

Anika
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4 Samstag, 28.
Juli 2007 um 17:39 Uhr
Da sind wir einer Meinung.
Wenn ich von Demut rede, dann meine ich nicht damit, jeden Tag auf die Knie zu fallen und Dankesgebete in alle Richtungen zu senden.
(Das kannst du auch gleich als Antwort auf den Schluss deines Beitrages nehmen, Gig.)
Demut bedeutet für mich nichts weiter als Bescheidenheit und sich selbst und die eigene Leistung nicht so wichtig zu nehmen.
In dieser Bedeutung kann ich demütig sein, ohne dass ich mit gesenktem Blick daherkomme. Ich kann aufrecht und selbstbewusst sein. Vielleicht gerade deshalb, weil ich weiß, woher ich die Kraft nehme, etwas zu leisten, nämlich aus dem Bewusstsein, meine Pflicht zu tun.
Ja, genau. Wie ich eben schon schrieb.
Wie wäre es mit Zufriedenheit?
Die Frage ist etwas hinterlistig.
Mit sich selbst zufrieden sein? Das assoziiert bei mir wieder sofort den Zusammenhang mit Selbstzufriedenheit, die in meinen Augen sehr negativ behaftet ist. Ich sehe jemanden, der sich zurücklehnt.
Bedeutet Zufriedenheit nicht Stillstand?
| Zitat von Giganto;137722 | ||||
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Da sind wir einer Meinung.

| Zitat von Anika | |
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| Zitat von Giganto | |
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Wenn ich von Demut rede, dann meine ich nicht damit, jeden Tag auf die Knie zu fallen und Dankesgebete in alle Richtungen zu senden.
(Das kannst du auch gleich als Antwort auf den Schluss deines Beitrages nehmen, Gig.)
Demut bedeutet für mich nichts weiter als Bescheidenheit und sich selbst und die eigene Leistung nicht so wichtig zu nehmen.
In dieser Bedeutung kann ich demütig sein, ohne dass ich mit gesenktem Blick daherkomme. Ich kann aufrecht und selbstbewusst sein. Vielleicht gerade deshalb, weil ich weiß, woher ich die Kraft nehme, etwas zu leisten, nämlich aus dem Bewusstsein, meine Pflicht zu tun.
| Zitat von Giganto | |
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Ja, genau. Wie ich eben schon schrieb.

| Zitat von Anika | |
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| Zitat von Giganto | |
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Wie wäre es mit Zufriedenheit?
Die Frage ist etwas hinterlistig.
Mit sich selbst zufrieden sein? Das assoziiert bei mir wieder sofort den Zusammenhang mit Selbstzufriedenheit, die in meinen Augen sehr negativ behaftet ist. Ich sehe jemanden, der sich zurücklehnt.
Bedeutet Zufriedenheit nicht Stillstand?
5 Montag, 30.
Juli 2007 um 13:28 Uhr
naja, ein wenig gesunde selbstreflexion ist wohl schon notwendig. für mich bedeutet (selbst-)zufriedenheit nicht gleichzeitig auch stillstand. man arbeitet doch bestenfalls daran, diesen zustand zu erhalten. also all die dinge weiterzuentwickeln oder zu erhalten, die einem wichtig sind.
| Zitat | |
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naja, ein wenig gesunde selbstreflexion ist wohl schon notwendig. für mich bedeutet (selbst-)zufriedenheit nicht gleichzeitig auch stillstand. man arbeitet doch bestenfalls daran, diesen zustand zu erhalten. also all die dinge weiterzuentwickeln oder zu erhalten, die einem wichtig sind.
6 Freitag, 09.
Mai 2008 um 14:29 Uhr
Stolz ist gut in gesunden Mengen, oder?
Der hilft uns, Selsbsrespekt in Krise-Situationen zu bewahren.
Strangers in the night exchanging glances
Wond'ring in the night
What were the chances we'd be sharing love
Before the night was through
Stolz ist gut in gesunden Mengen, oder?
Der hilft uns, Selsbsrespekt in Krise-Situationen zu bewahren.
Strangers in the night exchanging glances
Wond'ring in the night
What were the chances we'd be sharing love
Before the night was through
7 Dienstag, 08.
November 2011 um 14:20 Uhr
Ah mist, hatte gerade einen fetten Beitrag geschrieben und nun ist er weg
Grob vereinfacht kam ich zu dem Schluss, dass man keine Bewegung erzwingen muss, wenn man gar nicht unzufrieden ist. Der Post "ist zufriedenheit nicht stillstand" kam mir so vor, als ob es eben dies bedeutete.
Ah mist, hatte gerade einen fetten Beitrag geschrieben und nun ist er weg

Grob vereinfacht kam ich zu dem Schluss, dass man keine Bewegung erzwingen muss, wenn man gar nicht unzufrieden ist. Der Post "ist zufriedenheit nicht stillstand" kam mir so vor, als ob es eben dies bedeutete.
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