Gesellschaft der künstlich am Leben gehaltenen
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1 Dienstag, 21.
März 2006 um 15:33 Uhr
Ein Text, der beim letzten Halloween entstanden ist. Wenn man sich von mehr als 30 Zeilen nicht abschrecken lässt, möge man ihn lesen oder es sein lassen.
Die Menschen sind sterbenskrank. Dieses Land nichts weiter als ein riesiges Siechenheim für Alltagsopfer und Depressionshybriden. Am Leben (was man halt so Leben nennt) gehalten wird man nur noch durch den schlecht schmeckenden Brei aus Trott, Werbung, Konsum, Anpassungszwang und Fernsehen. Alles zusammen die graue Rauchwolke, die sich wie ein künstliches Beatmungsgerät über den Volksmund (sagt der Volksmund) legt und ihm alltäglichen Pflicht-und-Freizeit-Autismus als chemisch hergestellten Nahrungsersatz hineinbläst. Gerade soviel, dass der Deutsche nicht auf der Stelle umkippt und als der nasse Sack zusammenfällt, der er ist. Dabei aber auch gerade so wenig, dass nicht zuviel Energie in seine leere Hülle gelangt. Wir sind Gestalten am Abgrund und laufen seine Kante entlang als würde es uns nicht interessieren. Irgendwas hält uns trotzdem noch fest und unsere körperliche Verpackung fällt nicht hinunter. Auch wenn Werte, Seele und Geist schon längst die Klippe passiert haben und in der Schlucht tausendfach zersprungen sind. Humor ist wenn man trotzdem lacht, auch wenn man eigentlich längst vergessen hat warum.
Ich sitze in der U-Bahn, es ist der 31. Oktober. Halloween. Ein Land, dessen Kultur so langweilig für den Ottonormalbrüger erscheint bedient sich schlechten Bräuchen aus der kulturellen Tiefkühlabteilung von Amerika. Dem Trend hinterherkriechend auf der Suche nach Identität oder wahlweise Bespassung. 2005, da schocken weder der kleine Junge im Skelettanzug noch die zahllosen Halloweenparties nicht mehr. Komm' verkleidet, dann kostet es nicht einmal mehr Eintritt. Wahrgewordene Assimilation in letzter Instanz, denn es fällt schon gar nicht mehr auf. Akribisch genau kleinpüriert im Ersatzbrei einer Zivilisation ohne intakte Geschmacksnerven. Was einst noch in Mode kam und als extrem "hip" galt ist auch schon wieder zur Normalität geworden und haut den Bundeszombie nicht mehr wirklich vom Hocker. Gibt es einen besseren Tag um das große, zeitgenössische Sterben zu erkennen? Die Bahn ist voller Gestalten, die einst sicher mal Menschen waren.
21 Uhr am Abend und ein gefülltes Verkehrmittel als Konglomerat verendender Humanität versprüht ungefähr soviel Lebenslust wie ein 90jähriger Aussteiger in der stillen Einsamkeit seiner Berghütte. Man schaut entweder auf den Boden oder aus dem Fenster, was an offensichtlicher Verzweiflung kaum zu überbieten ist. Schonmal aus einer U-Bahn herausgeschaut? Der Blick in den schwarzen Tunnel gleicht dem misslungenen Versuch einer gedanklichen Flucht aus der realen Tristesse. Lieber gleich Nägel mit Köpfen machen und in das schwarze Loch schauen, als von der situativen Trostlosigkeit erschlagen zu werden. Das beides den selben Effekt verursacht ist dabei egal. Lässt man den Blick dann doch herumschweifen, sieht man nichts als blutunterlaufende Augen und ausdruckslose Gesichter. In Kollektiv ausgehaucht und ohne inneren Funken. Ein gesellschaftlicher Großflächenbrand bleibt Traumvorstellung, ja nicht mal ein Strohfeuer könnte man so entfachen. Wer einen Sitznachbarn hat drückt sich selbst in totaler Verkrampfung gegen die Wand. Aus Höflichkeit dem anderen gegenüber? Wohl eher aus Angst vor körperlichem Kontakt, vor Gesprächen, vor dem Miteinander. Das ist der einstimmige Konsens einer Gesellschaft, der man das Herz operativ entfernt und an seine Stelle einen Pflasterstein aus kaltem Beton eingesetzt hat. Bloß nicht hinschauen, bloß kein Gespräch zulassen. Über diese steinzeitliche Erprobungsstufe in der Evolution sind wir längst hinweg. Fortgeschritten zum Stadium der vollkommenden Gleichgültigkeit. Perfektioniert als Teil eines Ganzen, dass allein durch das allseitige Nichts zusammengezimmert wird und degradiert zum Wesen. Mensch sein war gestern. Wir sind schließlich weder Entwicklungs- noch Schwellenland.
Eine Gruppe Jugendlicher betritt in Halloweenscher Kollektivverkleidung die Bahn. Vermutlich ohne es zu wissen bieten sie eine kaum tu toppende Mikrodarbietung ihrer Umwelt. In Zombieverkleidungen und mit den, aus den Filmen, typischen, langsamen Bewegungen stoßen sie stöhnend und krächzend hinzu. So offen und wahrheitsgetreu spricht sonst niemand aus, was hier von statten geht.
Ein Text, der beim letzten Halloween entstanden ist. Wenn man sich von mehr als 30 Zeilen nicht abschrecken lässt, möge man ihn lesen oder es sein lassen.
Die Menschen sind sterbenskrank. Dieses Land nichts weiter als ein riesiges Siechenheim für Alltagsopfer und Depressionshybriden. Am Leben (was man halt so Leben nennt) gehalten wird man nur noch durch den schlecht schmeckenden Brei aus Trott, Werbung, Konsum, Anpassungszwang und Fernsehen. Alles zusammen die graue Rauchwolke, die sich wie ein künstliches Beatmungsgerät über den Volksmund (sagt der Volksmund) legt und ihm alltäglichen Pflicht-und-Freizeit-Autismus als chemisch hergestellten Nahrungsersatz hineinbläst. Gerade soviel, dass der Deutsche nicht auf der Stelle umkippt und als der nasse Sack zusammenfällt, der er ist. Dabei aber auch gerade so wenig, dass nicht zuviel Energie in seine leere Hülle gelangt. Wir sind Gestalten am Abgrund und laufen seine Kante entlang als würde es uns nicht interessieren. Irgendwas hält uns trotzdem noch fest und unsere körperliche Verpackung fällt nicht hinunter. Auch wenn Werte, Seele und Geist schon längst die Klippe passiert haben und in der Schlucht tausendfach zersprungen sind. Humor ist wenn man trotzdem lacht, auch wenn man eigentlich längst vergessen hat warum.
Ich sitze in der U-Bahn, es ist der 31. Oktober. Halloween. Ein Land, dessen Kultur so langweilig für den Ottonormalbrüger erscheint bedient sich schlechten Bräuchen aus der kulturellen Tiefkühlabteilung von Amerika. Dem Trend hinterherkriechend auf der Suche nach Identität oder wahlweise Bespassung. 2005, da schocken weder der kleine Junge im Skelettanzug noch die zahllosen Halloweenparties nicht mehr. Komm' verkleidet, dann kostet es nicht einmal mehr Eintritt. Wahrgewordene Assimilation in letzter Instanz, denn es fällt schon gar nicht mehr auf. Akribisch genau kleinpüriert im Ersatzbrei einer Zivilisation ohne intakte Geschmacksnerven. Was einst noch in Mode kam und als extrem "hip" galt ist auch schon wieder zur Normalität geworden und haut den Bundeszombie nicht mehr wirklich vom Hocker. Gibt es einen besseren Tag um das große, zeitgenössische Sterben zu erkennen? Die Bahn ist voller Gestalten, die einst sicher mal Menschen waren.
21 Uhr am Abend und ein gefülltes Verkehrmittel als Konglomerat verendender Humanität versprüht ungefähr soviel Lebenslust wie ein 90jähriger Aussteiger in der stillen Einsamkeit seiner Berghütte. Man schaut entweder auf den Boden oder aus dem Fenster, was an offensichtlicher Verzweiflung kaum zu überbieten ist. Schonmal aus einer U-Bahn herausgeschaut? Der Blick in den schwarzen Tunnel gleicht dem misslungenen Versuch einer gedanklichen Flucht aus der realen Tristesse. Lieber gleich Nägel mit Köpfen machen und in das schwarze Loch schauen, als von der situativen Trostlosigkeit erschlagen zu werden. Das beides den selben Effekt verursacht ist dabei egal. Lässt man den Blick dann doch herumschweifen, sieht man nichts als blutunterlaufende Augen und ausdruckslose Gesichter. In Kollektiv ausgehaucht und ohne inneren Funken. Ein gesellschaftlicher Großflächenbrand bleibt Traumvorstellung, ja nicht mal ein Strohfeuer könnte man so entfachen. Wer einen Sitznachbarn hat drückt sich selbst in totaler Verkrampfung gegen die Wand. Aus Höflichkeit dem anderen gegenüber? Wohl eher aus Angst vor körperlichem Kontakt, vor Gesprächen, vor dem Miteinander. Das ist der einstimmige Konsens einer Gesellschaft, der man das Herz operativ entfernt und an seine Stelle einen Pflasterstein aus kaltem Beton eingesetzt hat. Bloß nicht hinschauen, bloß kein Gespräch zulassen. Über diese steinzeitliche Erprobungsstufe in der Evolution sind wir längst hinweg. Fortgeschritten zum Stadium der vollkommenden Gleichgültigkeit. Perfektioniert als Teil eines Ganzen, dass allein durch das allseitige Nichts zusammengezimmert wird und degradiert zum Wesen. Mensch sein war gestern. Wir sind schließlich weder Entwicklungs- noch Schwellenland.
Eine Gruppe Jugendlicher betritt in Halloweenscher Kollektivverkleidung die Bahn. Vermutlich ohne es zu wissen bieten sie eine kaum tu toppende Mikrodarbietung ihrer Umwelt. In Zombieverkleidungen und mit den, aus den Filmen, typischen, langsamen Bewegungen stoßen sie stöhnend und krächzend hinzu. So offen und wahrheitsgetreu spricht sonst niemand aus, was hier von statten geht.
Platzhoersch
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3 Dienstag, 21.
März 2006 um 16:35 Uhr
Nö. Mir fallen beim Bahnfahren nur immer viele (für mich) interessante Dinge auf und wenn ich Zeit und Lust habe, schreibe ich die interessantesten auf. Wenn das jemand gerne liest, kann ich nochwas nachlegen.
Dieser Text ist darüberhinaus mehr eine Momentaufnahme der generellen Verdüsterung der Gesellschaft. Nicht mehr aber auch nicht weniger.
Nö. Mir fallen beim Bahnfahren nur immer viele (für mich) interessante Dinge auf und wenn ich Zeit und Lust habe, schreibe ich die interessantesten auf. Wenn das jemand gerne liest, kann ich nochwas nachlegen.
Dieser Text ist darüberhinaus mehr eine Momentaufnahme der generellen Verdüsterung der Gesellschaft. Nicht mehr aber auch nicht weniger.
Platzhoersch
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4 Dienstag, 21.
März 2006 um 16:38 Uhr
Ich bin gespannt! Ich lese so etwas gerne. Ich bin Maschinenbauer und habe daher von sowas nicht viel Ahnung, aber ich glaube, dass du sehr talentiert bist...
Ich bin gespannt! Ich lese so etwas gerne. Ich bin Maschinenbauer und habe daher von sowas nicht viel Ahnung, aber ich glaube, dass du sehr talentiert bist...
5 Dienstag, 21.
März 2006 um 16:53 Uhr
ja, das finde ich auch! hab noch einige texte vom stiffmeister auf der platte liegen.
ja, das finde ich auch! hab noch einige texte vom stiffmeister auf der platte liegen.
Anika
Mitgliedschaft beendet
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6 Dienstag, 21.
März 2006 um 18:01 Uhr
Guter Text, genialer Audruck, treffende Metapher.
Ich liebe solche Texte, die der Gesellschaft einen Spiegel vorhalten.
Was das Lesevergnügen allerdings etwas beeinträchtigt, ist seine äußere Form. Wenn vom Bildschirm abgelesen wird, dann wird das schnell zum Verwirrspiel, weil man seine Augen nicht einen Moment vom Text lösen kann, ohne den Faden zu verlieren.
Was hältst du von einer Gliederung in Absätze, die sich z.B. durch eine Leerzeile voneinander abheben?
Es wäre schade, wenn sich einige potenzielle Leser von der Länge des Textes abschrecken ließen.
Guter Text, genialer Audruck, treffende Metapher.
Ich liebe solche Texte, die der Gesellschaft einen Spiegel vorhalten.
Was das Lesevergnügen allerdings etwas beeinträchtigt, ist seine äußere Form. Wenn vom Bildschirm abgelesen wird, dann wird das schnell zum Verwirrspiel, weil man seine Augen nicht einen Moment vom Text lösen kann, ohne den Faden zu verlieren.
Was hältst du von einer Gliederung in Absätze, die sich z.B. durch eine Leerzeile voneinander abheben?
Es wäre schade, wenn sich einige potenzielle Leser von der Länge des Textes abschrecken ließen.

7 Dienstag, 21.
März 2006 um 18:21 Uhr
Ich habs mal editiert. Übrigens ist das Textfeld in diesem Forum ziemlich "weit". Das zieht die Zeilen logischerweise sehr auseinander. Wenn man das enger fassen würde, wäre auch das lesen angenehmer.
| Zitat von Anika | |
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Ich habs mal editiert. Übrigens ist das Textfeld in diesem Forum ziemlich "weit". Das zieht die Zeilen logischerweise sehr auseinander. Wenn man das enger fassen würde, wäre auch das lesen angenehmer.
Anika
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8 Dienstag, 21.
März 2006 um 18:31 Uhr
Wunderbar! Viel besser!
Dankeschön!
| Zitat von Stiff Little Finger | |
|
Wunderbar! Viel besser!
Dankeschön!

breitbaulat
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9 Dienstag, 21.
März 2006 um 18:36 Uhr
also ich finde du hättest das Zeug zu einem wahnsinnig guten und wortgewandten Kritiker!
Solltest vielleicht über eine Karriere als Journalist oder so nachdenken!
also ich finde du hättest das Zeug zu einem wahnsinnig guten und wortgewandten Kritiker!
Solltest vielleicht über eine Karriere als Journalist oder so nachdenken!
10 Dienstag, 21.
März 2006 um 18:44 Uhr
Ich verkauf doch nicht meine Seele!
Naja und Kritiker sind meiner Meinung nach in allen Bereichen auch nicht die Helden. Es ist sicherlich oft schön bzw. amüsant zu lesen, aber viele von denen (egal wo) haben nie etwas eigenes auf die Beine gestellt, geben aber trotzdem vor genau zu wissen wo es lang geht.
Der Text da oben ist ebenfalls stark kritisierbar, da er nur die Schattenseite der Medaille zeigt. Aber das soll er auch. An dem Abend hat mich die Umgebung und die Menschen einfach extrem deprimiert. Da kommt dann sowas bei raus. Mit guter Laune hätte das ganz anders ausgesehen. Das sollte man sich immer vor Augen halten.
Hmm, ich glaube ich poste mal noch einen positiven hinterher.
| Zitat von breitbaulat | |
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Ich verkauf doch nicht meine Seele!

Naja und Kritiker sind meiner Meinung nach in allen Bereichen auch nicht die Helden. Es ist sicherlich oft schön bzw. amüsant zu lesen, aber viele von denen (egal wo) haben nie etwas eigenes auf die Beine gestellt, geben aber trotzdem vor genau zu wissen wo es lang geht.
Der Text da oben ist ebenfalls stark kritisierbar, da er nur die Schattenseite der Medaille zeigt. Aber das soll er auch. An dem Abend hat mich die Umgebung und die Menschen einfach extrem deprimiert. Da kommt dann sowas bei raus. Mit guter Laune hätte das ganz anders ausgesehen. Das sollte man sich immer vor Augen halten.
Hmm, ich glaube ich poste mal noch einen positiven hinterher.
breitbaulat
Nicht registriert
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11 Dienstag, 21.
März 2006 um 18:56 Uhr
ich meinte es weniger wegen dem Inhalt,sondern mehr wegen der pfeffrigen Aufmachung und den spitzwindigen Worten zu einer Situation!
ich meinte es weniger wegen dem Inhalt,sondern mehr wegen der pfeffrigen Aufmachung und den spitzwindigen Worten zu einer Situation!
12 Mittwoch, 22.
März 2006 um 14:47 Uhr
Ich finds gut - hast echt Talent! Ich mag es, wenn jemand so mit Wörten spielen kann!
Ich finds gut - hast echt Talent! Ich mag es, wenn jemand so mit Wörten spielen kann!
Platzhoersch
Nicht registriert
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13 Mittwoch, 22.
März 2006 um 14:52 Uhr
Ja dann mal los! Wo bleiben Texte?:cheer:
| Zitat von Stiff Little Finger | |
|
Ja dann mal los! Wo bleiben Texte?:cheer:
14 Donnerstag, 23.
März 2006 um 19:32 Uhr
Da
-->
http://www.lifestyle-community...wthread.php?p=87759#post87759
| Zitat von Platzhoersch | |
|
Da
-->http://www.lifestyle-community...wthread.php?p=87759#post87759
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