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gewalt- gegengewalt

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Litia
Grünschnabel

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1    Donnerstag, 08. Juni 2006 um 18:14 Uhr
      

Nebenberuflich arbeite ich in eine Einrichtung der Behindertenhilfe hier in Düsseldorf. Einige der Bewohner haben fremdverletzende Verhaltenszüge. Umgangssprachlich würde man wohl sagen, sie schlagen ab und an ihre Mitbewohner und das Personal.
Von Seiten der Leitung erhalten wir sehr wenig unterstützung :x Die Personaldecke wird immer dünner. Zusätzlich fallen immer häufiger Kollegen wegen Überlastungserscheinungen aus. In den nächsten Jahren wird sich die Sache wohl erher noch verschärfen, dank der Politik, die gerade gefahren wird (einige unserer Politiker sollten mal einen Monat oder länger in einer solchen Einrichtung mitarbeiten, bevor sie solche entscheidungen fällen).

Jetzt zum eingentlichen Thema zurück.

Findet ihr es Ok wenn man sich wehrt und zurückschlägt? Gesetzlich ist das ganze in der Grauzone angesiedelt. Einige Kollegen, die schon seit Jahren in solchen Einrichtungen mitarbeiten hatten ärger bekommen, weil sie sich zur wehr gesetzt haben.
Irgendwie komme ich mir und meine Kollegen auch alleinegelassen vor, mit unseren Problemen. Traurig


openMfly
Grünschnabel

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2    Donnerstag, 08. Juni 2006 um 18:24 Uhr
      

Schweres Thema.
Zuerst einmal kommt es auf die Behinderung an. Bei geistig behinderten ist es ganz sicher nicht ok.
Wenn die Person gar nicht weiss was sie da eigentlich tut, darf man sie auch nicht schlagen.
Von behinderten Menschen, die klar denken können, muss man sich sicher nicht alles gefallen lassen.
Auf jeden Fall sollte man es erst einmal mit reden versuchen.
Das habt ihr sicher aber schon zur genüge getan.
Ich könnte generell nicht zurückschlagen.
Würde ich einfach nicht fertig bringen.
Arme festhalten und verteidigen ja... aber nicht gezielt zuschlagen.
Psyschich Kranke, die gewalttätig sind, werden fixiert. D.h. angebunden mit Gurten.
Das kann man bei einem klar denkenden Mensch sicher nicht machen (hier fehlt schon die Begründung des Selbstschutzes).
Gibt es den keine anderen Strafen?
Kann man nicht z.B. mit Rausschmiss drohen?

Bei meiner Arbeit mit alten Menschen hilft es, einfach ruhig zu reden, abzulenken oder auch mal kurz wegzugehen.

Aber ich weiss ja nicht, mit was für Leuten du es da zu tun hast.



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Litia
Grünschnabel

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3    Donnerstag, 08. Juni 2006 um 18:44 Uhr
      

 Zitat
Zuerst einmal kommt es auf die Behinderung an. Bei geistig behinderten ist es ganz sicher nicht ok.
Wenn die Person gar nicht weiss was sie da eigentlich tut, darf man sie auch nicht schlagen.


Da muß schon ein wenig unterschieden werden. Geistig Behindert ist nicht = doof und weiß nicht was er/sie da macht. Oftmals wird das ganze im Alltag als eine art "Druckmittel" eingesetzt, auch von schwerer behinderten Menschen.


 Zitat
Von behinderten Menschen, die klar denken können, muss man sich sicher nicht alles gefallen lassen.


Aber auch hier gibt es dann möglicherweise rechtliche Konsequenzen, wenn man sich zur wehr setzt. Was also tun um sich zu wehren? Welche Mittel sind deiner Meinung nach angemessen?

 Zitat
Auf jeden Fall sollte man es erst einmal mit reden versuchen.
Das habt ihr sicher aber schon zur genüge getan.
Ich könnte generell nicht zurückschlagen.
Würde ich einfach nicht fertig bringen.


Es geht bei dem ganzen ja nicht um gezieltes zurückschlagen das möglicherweise auch noch geplant ist. Vielmehr um eine art Affekthandlung.

 Zitat
Arme festhalten und verteidigen ja... aber nicht gezielt zuschlagen.
Psyschich Kranke, die gewalttätig sind, werden fixiert. D.h. angebunden mit Gurten.
Das kann man bei einem klar denkenden Mensch sicher nicht machen (hier fehlt schon die Begründung des Selbstschutzes).
Gibt es den keine anderen Strafen?



Wir sind ein offenes Haus. Das bedeutet, fixierung und einschluß kommen nicht in Frage. Als 60 Kg Frau musst du es dann auch erstmal fertigbringen, einen 100 KG Mann in einen Gurt zu pressen.

Wie weiter oben geschrieben, kommen wir uns sehr alleine gelassen vor. Alle vorgeschlagenen Lösungsmodelle werden mit der Begründung geblockt, sie seien ethisch und moralisch nicht zu vertreten :!: Vorschläge von Seiten der Leitung gibt es aber nicht. Da wird nur zugesehen.


openMfly
Grünschnabel

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4    Donnerstag, 08. Juni 2006 um 19:04 Uhr
      

 Zitat
Da muß schon ein wenig unterschieden werden. Geistig Behindert ist nicht = doof und weiß nicht was er/sie da macht


Geistig behindert heisst aber, dass die Menschen nicht die gleichen kognitiven Fähigkeiten haben wie du und ich.
Sie wissen höchstens, dass sie anderen mit ihren Handlungen weh tun.


 Zitat
Es geht bei dem ganzen ja nicht um gezieltes zurückschlagen das möglicherweise auch noch geplant ist. Vielmehr um eine art Affekthandlung.


kann ich mir so direkt nichts drunter vorstellen.
Meinst du die Hände zur Abwehr hoch reisen?
Oder dein Gegenüber wegschubsen?
Oder wie meinst du das?

 Zitat
Als 60 Kg Frau musst du es dann auch erstmal fertigbringen, einen 100 KG Mann in einen Gurt zu pressen.


Da hast du ja dann eh keine Chance dich zu wehren, auch wenn du wolltest.
Ich kenne es von den Einrichtungen bei denen ich bisher gearbeitet hab nur so, dass man auf "schwierige Patienten" auch nur erfahrenen Leute ansetzt. Und vor allem auch welche, die damit fertig werden.
D.h. bei einen gewalttätigen 100 Kilo Kerl schickt man keine kleine Frau, sondern einen (eher zwei) kräftige Kerle.

Mir ist aber immer noch nicht klar, wie die Situation genau bei dir aussieht. das ist alles viel zu allgemein um da was zu sagen.


Patient
Grünschnabel

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5    Freitag, 09. Juni 2006 um 12:48 Uhr
      

Alle Mitarbeiter sollten an einem Judo-Kurs teilnehmen. Mit ein paar gezielten Handgriffen kann man einem Menschen die Gliedmaßen in eine untypische Ausrichtung zwingen und ihn so durch entsprechend dosierte Schmerzimpulse gefügig machen.


Topper Harley
Grünschnabel

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6    Freitag, 09. Juni 2006 um 16:40 Uhr
      

Pfefferspray. muhahahhaa.


aja @ patient:
Teilweise sind behinderte richtige Klötze, wenn ich die manchmal so sehe von der Lebenshilfe, da sind einige dabei, männlich, 1,80-1,90 und an die 100 kilo und noch viel mehr teilweise.
Wenn die dir eine ballern wollen will ich dich mal sehen mit nem pipi anfänger Judokurs. Und Litia scheint mir auch noch ne Frau zu sein.


masso
Grünschnabel

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7    Freitag, 09. Juni 2006 um 22:00 Uhr
      

Denke Wing Chun dürfte als Verteidigung in Frage kommen. Dort wird Dir auch beigebracht, wie Du mit körperlich überlegenen fertig wirst. Kleine Handgriffe können da schon Wunder bewirken.

http://de.wikipedia.org/wiki/Wing_Chun


Giganto
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8    Montag, 12. Juni 2006 um 10:36 Uhr
      

 Zitat von masso
Denke Wing Chun dürfte als Verteidigung in Frage kommen. Dort wird Dir auch beigebracht, wie Du mit körperlich überlegenen fertig wirst. Kleine Handgriffe können da schon Wunder bewirken.

Wing Chun - Wikipedia


mich erstaunt es immer wieder, wie sicher sich menschen nach dem besuch eine selbstverteidigungs-kurses fühlen. ich persönlich halte es für ziemlich gefährlich. gegen einen körperlich überlegenen gegner, der vieleicht schon kampferfahrung hat, kann man überhaupt nicht anstinken, mit ein paar griffen, die man 2-3 mal gesehen hat. bis man soetwas beherrscht, dauert es monate und jahre. dazu ist hartes training absolut notwendig. das macht man nicht mal ebenso nebenbei.

ich selber habe wt erfahrung. 3 jahrelang habe ich diese kampfkunst relativ intensiv trainiert. bis man davon mal etwas auf der "strasse" wirklich umsetzen konnte, verging schon eine gute zeit von rund 3 - 6 monaten. die richtig effektiven sachen, die uns der trainer beigebracht hat, hatten mit dem klassischen wt auch relativ wenig zu tun. das waren erfahrungswerte, die er vermittelt hat.


Giganto
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9    Montag, 12. Juni 2006 um 10:46 Uhr
      

 Zitat von openMfly
Geistig behindert heisst aber, dass die Menschen nicht die gleichen kognitiven Fähigkeiten haben wie du und ich.
Sie wissen höchstens, dass sie anderen mit ihren Handlungen weh tun.


das kann ich so nicht stehen lassen. so wie du es schreibst ist es viel zu pauschal gehalten.
es gibt ja z.b. unterschiedliche intelligenz- und begabungsbereiche, die bei jedem menschen mehr oder weniger ausgeprägt sind- geistig behindert oder auch nicht. dazu gehört z.b. auch die soziale kompetenz. ich kenne viele geistig behinderte menschen mit einer sehr ausgeprägten sozialen kompetenz, die sehr wohl wissen was richtig und falsch ist.
was ich oftmals erlebe: menschen mit sog. geistiger behinderung sind "ehrlicher" und bringen es auf den punkt. das wird gelegentlich von aussen falsch verstanden weil man es ja auch nicht unbedingt gewohnt ist.

bei der aktuellen finanziellen lage im staate deutschland ist es leider so das viele einrichtungen einfach massiv unterbesetzt sind. da können selbstauferlegte Standards nicht mehr gehalten werden. das führt zur unzufriedenheit an allen stellen. so ist es dann wohl auch zu erklären, das es zu "gewalttätigkeiten" kommt die wohl eher ausdruck von unzufriedenheit und hilflosigkeit sind. sonst hört ja niemand zu. leidtragende sind dann leider die falschen personen, nämlich oftmals das personal und die zu betreuenden.

wenn meine existenzgrundlage "bedroht" ist, würde ich auch zu gefühlsausbrüchen neigen. es verwundert mich nicht und ich kann es verstehen. das bedeutet aber nicht, dass ich es nicht gut heissen. oftmals sind mittel, um angemessen zu reagieren doch sehr beschränkt.

z.b. kann man in offenen wohneinrichtungen nicht erwarten, das für schwierige situationen immer direkt 2 "bullige" mitarbeiter zur seite stehen. die realität sieht anders aus.

@michael: ich mach dich gleich mal gefügig, mit meinen spezial kampfkunstgriffenl, wenn du dich nicht benimmst. :padre::nut::p


axion
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10    Samstag, 19. August 2006 um 19:23 Uhr
      

Behinderte Menschen setzen oft extrem viel kraft ein weil sie ihre letzten Kraftreservern mobilisieren, die bei nicht behinderten nur durch eine extremsituation/ doping/ spezielles Training mobilisiert werden.
Ich finde man sollte sich soweit zu wehr setzen wie es nötig ist. Unabhängig von der Behinderung, an erster Stelle muss die eigene Sicherheit stehen. Wenn man geschlagen wird und es besteht keine Gefahr eines weiteren Angriffs wäre Gegengewalt natürlich falsch.


Stiff Little Finger
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11    Sonntag, 20. August 2006 um 11:44 Uhr
      

 Zitat von axion
Behinderte Menschen setzen oft extrem viel kraft ein weil sie ihre letzten Kraftreservern mobilisieren, die bei nicht behinderten nur durch eine extremsituation/ doping/ spezielles Training mobilisiert werden.

Aha. Kannst Du diese These irgendwie belegen? Quelle, Erfahrung, etc.? Würd mich interessieren.

Zum Thema:
Wer sich nicht wehrt, ist selber schuld. Hab mal ein Jahr mit einem Jungen gearbeitet, dem ich (obwohl er erst 12 war!) körperlich gerade noch so überlegen war. Seine Aggressionen hatte er nicht im Griff und diese richteten sich außer gegen ihn selbst, auch oft gegen den ersten Mensch in seiner Nähe. Das war oft ich. Die zahlreichen Narben auf meinen Handrücken sind nun nach 3 Jahren beinahe nicht mehr zu sein, aber das war schon heftig. Generell hab ich es immer so gehalten, dass ich ihn festgehalten hab. Notfalls auch etwas grober. Bevor ich mich freiwillig blutig kratzen lasse, hat der halt blaue Arme. Das war mit Eltern abgesprochen und einzig richtig für mich. Gegengewalt ist dagegen aber etwas gänzlich anderes. Nur weil er mich schlägt, muss ich es noch lange nicht tun. Man kann sich auch anders körperlich wehren, als auszuholen. Es gab ein einziges mal, wo ich den Kerl über den ganzen Flur geschubst hab, aber da war ich auch eindeutig an meinen Grenzen angelangt, nachdem er mir den ganzen Tag auf den Sack und an den Kragen wollte.


      

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