Generation Praktikum: Arschkarte oder was?
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Sting
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1 Dienstag, 07.
November 2006 um 07:12 Uhr
Wer kennt sie nicht, die Leute aus dem Freundes- und/oder Bekanntenkreis, die auf der letzten Party auf die Frage nach der aktuellen Arbeitsstelle meinen:
"Du, ich glaub', ich mach' noch'n Praktikum."
- "Hast Du nicht schon im vergangenen Jahr drei gemacht?"
"Jo, aber dennoch besser, als nichts zu tun."
Arbeitswille und Antrieb sind eigentlich positive Eigenschaften, doch der oben geschilderte Fall ist leider eher negativ zu bewerten, denn es handelt sich dabei nicht um Studierende oder berufliche Quereinsteiger, die sich auf diese Weise nur Erfahrung erschnuppern wollen; nein, es geht um Studienabsolventen.
Studienabsolventen? Das müssen aber dann Leute mit einem schlechteren Abschlusszeugnis sein, oder? Leider nicht nur.
Das Szenario sieht leider so aus, dass es seit Jahren eine recht hohe Bereitwilligkeit seitens der Absolventen gibt, nach dem Studium noch einige Praktika zu machen. Diese Praktika sind nicht selten nur projektbezogen und zeitlich dementsprechend begrenzt, sondern auch nicht selten ohne (angemessene) Vergütung.
Das allgemeine Credo der Unternehmen lautet gar: weshalb mehrere TEuro monatlich in eine Fachkraft investieren, die wir auch für lau bekommen können? Der/die PraktikantIn macht dann wirklich die Arbeit einer Fachkraft, die er/sie auch ist - lebt aber am Rande des Existenzminimums und bekommt in den seltensten Fällen eine Festanstellung.
Weshalb auch? Der nächste, arbeitswillige, gut ausgebildetete Praktikant wartet doch um die Ecke.
Das Interessante: die Firmen stellen den Kunden für die Arbeit ihrer Praktikanten den tatsächlich monetären Wert der geleisteten Arbeit in Rechnung. Der Praktikant bekommt eine Minimalvergütung - falls überhaupt - und erbringt dem Unternehmen einen Arbeitswert von mehreren TEuro monatlich.
Genau dort liegt des Pudels Kern begraben: das Angebot an Praktikanten, die ein Studium absolviert haben, ist recht hoch, so dass sich Unternehmen immer wieder die besten herauspicken können - zum Nulltarif, sozusagen.
Der Absolvent tut sich damit leider keinen Gefallen, denn eine stattliche Anzahl absolvierter Praktika ist nicht gerade préstigeträchtig, das Gegenteil ist der Fall: es impliziert, dass man nirgendwo unterkommen konnte, worauf man in künftigen Vorstellungsgesprächen in Erklärungsnot kommt: man wird inkompatibel wirken, nicht anpassungsfähig oder gar inkompetent; obwohl doch eigentlich eher das Gegenteil der Fall gewesen sein wird.
Das Problem an der Sache: der Grossteil der Menschen ist für diese Problematik nicht sensibilisiert. Es wird einfach so hingenommen, es ist zur Norm geworden.
Aus meinem Bekanntenkreis drei Beispiele:
Stephanie*, 24, Kulturwissenschaften; Abschluss in Regelzeit mit 1,7
Sucht seit Jahresbeginn, kriegt ständig Absagen und ist gezwungen, ein Praktikum zu machen.
Klaus*, 26, Wirtschaftsingenieurwesen, Abschluss in Regelzeit mit 1,9
Ist seit über einem Jahr fertig und hat schon drei Praktika gemacht, in denen er als Fachkraft Projekte geleitet hat.
Memet*, 27, BWL, Abschluss mit 1 Semester über Regelzeit mit 2,1
Siehe Klaus.
Es gibt eine schöne Initiative gegen diese unschöne Entwicklung:
karriere
Mich interessieren Eure Meinungen und Erfahrungen zu diesem Thema.
------------------
* Namen geändert
Wer kennt sie nicht, die Leute aus dem Freundes- und/oder Bekanntenkreis, die auf der letzten Party auf die Frage nach der aktuellen Arbeitsstelle meinen:
"Du, ich glaub', ich mach' noch'n Praktikum."
- "Hast Du nicht schon im vergangenen Jahr drei gemacht?"
"Jo, aber dennoch besser, als nichts zu tun."
Arbeitswille und Antrieb sind eigentlich positive Eigenschaften, doch der oben geschilderte Fall ist leider eher negativ zu bewerten, denn es handelt sich dabei nicht um Studierende oder berufliche Quereinsteiger, die sich auf diese Weise nur Erfahrung erschnuppern wollen; nein, es geht um Studienabsolventen.
Studienabsolventen? Das müssen aber dann Leute mit einem schlechteren Abschlusszeugnis sein, oder? Leider nicht nur.
Das Szenario sieht leider so aus, dass es seit Jahren eine recht hohe Bereitwilligkeit seitens der Absolventen gibt, nach dem Studium noch einige Praktika zu machen. Diese Praktika sind nicht selten nur projektbezogen und zeitlich dementsprechend begrenzt, sondern auch nicht selten ohne (angemessene) Vergütung.
Das allgemeine Credo der Unternehmen lautet gar: weshalb mehrere TEuro monatlich in eine Fachkraft investieren, die wir auch für lau bekommen können? Der/die PraktikantIn macht dann wirklich die Arbeit einer Fachkraft, die er/sie auch ist - lebt aber am Rande des Existenzminimums und bekommt in den seltensten Fällen eine Festanstellung.
Weshalb auch? Der nächste, arbeitswillige, gut ausgebildetete Praktikant wartet doch um die Ecke.
Das Interessante: die Firmen stellen den Kunden für die Arbeit ihrer Praktikanten den tatsächlich monetären Wert der geleisteten Arbeit in Rechnung. Der Praktikant bekommt eine Minimalvergütung - falls überhaupt - und erbringt dem Unternehmen einen Arbeitswert von mehreren TEuro monatlich.
Genau dort liegt des Pudels Kern begraben: das Angebot an Praktikanten, die ein Studium absolviert haben, ist recht hoch, so dass sich Unternehmen immer wieder die besten herauspicken können - zum Nulltarif, sozusagen.
Der Absolvent tut sich damit leider keinen Gefallen, denn eine stattliche Anzahl absolvierter Praktika ist nicht gerade préstigeträchtig, das Gegenteil ist der Fall: es impliziert, dass man nirgendwo unterkommen konnte, worauf man in künftigen Vorstellungsgesprächen in Erklärungsnot kommt: man wird inkompatibel wirken, nicht anpassungsfähig oder gar inkompetent; obwohl doch eigentlich eher das Gegenteil der Fall gewesen sein wird.
Das Problem an der Sache: der Grossteil der Menschen ist für diese Problematik nicht sensibilisiert. Es wird einfach so hingenommen, es ist zur Norm geworden.
Aus meinem Bekanntenkreis drei Beispiele:
Stephanie*, 24, Kulturwissenschaften; Abschluss in Regelzeit mit 1,7
Sucht seit Jahresbeginn, kriegt ständig Absagen und ist gezwungen, ein Praktikum zu machen.
Klaus*, 26, Wirtschaftsingenieurwesen, Abschluss in Regelzeit mit 1,9
Ist seit über einem Jahr fertig und hat schon drei Praktika gemacht, in denen er als Fachkraft Projekte geleitet hat.
Memet*, 27, BWL, Abschluss mit 1 Semester über Regelzeit mit 2,1
Siehe Klaus.
Es gibt eine schöne Initiative gegen diese unschöne Entwicklung:
karriere
Mich interessieren Eure Meinungen und Erfahrungen zu diesem Thema.
------------------
* Namen geändert
2 Dienstag, 07.
November 2006 um 07:45 Uhr
ich finde es auch ein unding, das die leute so verheizt werden, vorallem unter dem aspekt, sie nicht nur zu "testen" sondern von vornherein geplant wieder "rauszuschmeissen", was ja mit nem zeitlich begrenzten praktikum gemeint ist.
auf der anderen seite muss man auch dazu sagen, das so eine firma viel geld in eine vermeidliche fachkraft investieren muss, die mit "nicht mehr" kommt, als ihrem abschlusszeugniss, und nem haufen theorie. einige wenige haben vorher eine lehre absolviert ect. und die wenigsten haben im studium in ihrem fachgebiet gearbeitet, oder??
da würde ich auch erstmal antesten wollen, was der kanidat den so kann.
als vergleich: in einer lehre teilt der meister sein "können" mit, und zwar das, was eben in der firma benötigt wird. nach 3-4 jahren ausbildung ist die prüfung nur noch eine formsache, der azubi arbeitet eben schon genauso effektiv wie ein facharbeiter, und später, wenn er den übernommen wird, kann er sofort produktiv starten, weil er seine einarbeitungszeit ja schon hinter sich hat.
aber ich kann den ärger gut verstehen, weil man enorme zeit in die ausbildung steckt, sich nebenher überm wasser halten muss, und zum lohn eine befristete anstellung zum mindestlohn bekommt.
das ist aber normal, den ein verantwortlicher übernimmt die verwantwortung für das projekt, ob das nun inner werkstatt der reifenwechsel vom azubi ist, den man voll bezahlen muss, den der meister haftet genauso, wie wenn er die reifen selbst gewechselt hätte, oder irgend was anderes.
man kann sich ja schlecht beim kunden rausreden, das es "nur" die praktikanten waren, die etwas ausgetüdelt haben, ect. (ohne diese jetzt irgendwie werten zu wollen, war nur als beispiel gedacht)
was anscheinend ganz gut funktioniert, ist anscheinend die firmen-bindung, zumindest hier, wo ich arbeite. wir haben hier auch einige, die zuerst ne lehre machten, und dann das ingeneursstudium angeschlossen haben, die haben alle ausnahmslos ne teilzeitstelle wärend des studiums und anschliessend nen ingeneursposten bekommen.
allerdings ist bei uns die bezahlung in meinen augen etwas unter durchschnitt, aber wohl besser als beim praktikanten.
ich finde es auch ein unding, das die leute so verheizt werden, vorallem unter dem aspekt, sie nicht nur zu "testen" sondern von vornherein geplant wieder "rauszuschmeissen", was ja mit nem zeitlich begrenzten praktikum gemeint ist.
auf der anderen seite muss man auch dazu sagen, das so eine firma viel geld in eine vermeidliche fachkraft investieren muss, die mit "nicht mehr" kommt, als ihrem abschlusszeugniss, und nem haufen theorie. einige wenige haben vorher eine lehre absolviert ect. und die wenigsten haben im studium in ihrem fachgebiet gearbeitet, oder??
da würde ich auch erstmal antesten wollen, was der kanidat den so kann.
als vergleich: in einer lehre teilt der meister sein "können" mit, und zwar das, was eben in der firma benötigt wird. nach 3-4 jahren ausbildung ist die prüfung nur noch eine formsache, der azubi arbeitet eben schon genauso effektiv wie ein facharbeiter, und später, wenn er den übernommen wird, kann er sofort produktiv starten, weil er seine einarbeitungszeit ja schon hinter sich hat.
aber ich kann den ärger gut verstehen, weil man enorme zeit in die ausbildung steckt, sich nebenher überm wasser halten muss, und zum lohn eine befristete anstellung zum mindestlohn bekommt.
| Zitat | |
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das ist aber normal, den ein verantwortlicher übernimmt die verwantwortung für das projekt, ob das nun inner werkstatt der reifenwechsel vom azubi ist, den man voll bezahlen muss, den der meister haftet genauso, wie wenn er die reifen selbst gewechselt hätte, oder irgend was anderes.
man kann sich ja schlecht beim kunden rausreden, das es "nur" die praktikanten waren, die etwas ausgetüdelt haben, ect. (ohne diese jetzt irgendwie werten zu wollen, war nur als beispiel gedacht)
was anscheinend ganz gut funktioniert, ist anscheinend die firmen-bindung, zumindest hier, wo ich arbeite. wir haben hier auch einige, die zuerst ne lehre machten, und dann das ingeneursstudium angeschlossen haben, die haben alle ausnahmslos ne teilzeitstelle wärend des studiums und anschliessend nen ingeneursposten bekommen.
allerdings ist bei uns die bezahlung in meinen augen etwas unter durchschnitt, aber wohl besser als beim praktikanten.
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3 Dienstag, 07.
November 2006 um 18:19 Uhr
Es gibt viele Arbeitgeber, die lieber Praktikanten einstellen.
Praktikanten sind billige Arbeitskräfte
Aushilfen heut zu tage auch öfters
Es gibt viele Arbeitgeber, die lieber Praktikanten einstellen.
Praktikanten sind billige Arbeitskräfte
Aushilfen heut zu tage auch öfters
4 Mittwoch, 08.
November 2006 um 00:03 Uhr
obwohl es sich zu lohnen scheint- dies ist ja gängige praxis, gerade in grosskonzernen- kann ich es nicht wirklich verstehen.
gut, die meisten anfänger in sachen praktikumserfahrungen sind wahrscheinlich hochmotiviert, weil sie die horrorgeschichten nicht glauben mögen, die ihnen aufgetischt werden und deshalb im hinblick auf eine mögliche festanstellung hart ans werk gehen. aber kann sich das für den unternehmer denn längerfristig wirklich rechnen- von den moralischen abgründen, die sich da auftun mal abgesehen. es gibt doch wirklich so einige bereiche, in die man sich erstmal einarbeiten muss, was häufig mehrere wochen in anspruch nimmt.
so eine initiative ist wirklich eine gute sache, aber ich kann mir kaum vorstellen, dass sie wirklich erfolgreich sein wird. es gibt einfach zuviel willige, die nach wie vor bereit sind, für ein taschengeld einen professionellen job hinzulegen.
obwohl es sich zu lohnen scheint- dies ist ja gängige praxis, gerade in grosskonzernen- kann ich es nicht wirklich verstehen.
gut, die meisten anfänger in sachen praktikumserfahrungen sind wahrscheinlich hochmotiviert, weil sie die horrorgeschichten nicht glauben mögen, die ihnen aufgetischt werden und deshalb im hinblick auf eine mögliche festanstellung hart ans werk gehen. aber kann sich das für den unternehmer denn längerfristig wirklich rechnen- von den moralischen abgründen, die sich da auftun mal abgesehen. es gibt doch wirklich so einige bereiche, in die man sich erstmal einarbeiten muss, was häufig mehrere wochen in anspruch nimmt.
so eine initiative ist wirklich eine gute sache, aber ich kann mir kaum vorstellen, dass sie wirklich erfolgreich sein wird. es gibt einfach zuviel willige, die nach wie vor bereit sind, für ein taschengeld einen professionellen job hinzulegen.
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