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Ich bin Antifeministin

Ich bin Antifeministin

Allgemeines, Frauen

 

Ich bin Antifeministin…

…und dazu bekenne ich mich, und dazu stehe ich, auch wenn ich in unserer Gegenwart und in meinem persönlichen und meinem weiterem Umfeld oft auf wenig Akzeptanz und Gegenliebe stoße.

Nun bin ich keine Anhängerin des radikalen Antifeminismus, der gleichbedeutend ist mit der Ablehnung der Gleichberechtigung der Geschlechter, der absoluten Verdammung der Frauenbewegung und der Ächtung aller Thesen des Feminismus, und ich weiß durchaus die Verdienste der feministischen Frauenbewegungen zu schätzen und halte einen großen Teil ihrer Forderungen und Ziele für positiv und gehe mit ihnen konform. Frauen haben ein Anrecht auf Gleichstellung in Politik, Wirtschaft, Gesellschaft, bei der Arbeit und im persönlichen Bereich. Sie haben einen unabdingbaren Anspruch auf kulturelle, individuelle und sexuelle Selbstbestimmung.

Gesellschaftliche Strömungen neigen zur Radikalität und zu völliger und kompromissloser Ablehnung gegenteiliger Meinungen. In logischer Folge werden die Ansichten und Forderungen übertrieben.

Das Thema ist so vielschichtig und komplex, als dass ich es hier vollständig und in der Tiefe betrachten könnte. Vielmehr will ich meine eigenen Gedanken und meine persönliche Position deutlich machen, wobei ich mich ständig frage, ob sich nicht auch offiziell ein Mittelweg in den Anschauungen finden ließe, der das Positive beider Strömungen berücksichtigt.

Im Wirrwarr der Anschauungen, Thesen, Überzeugungen und der daraus resultierenden Polemik möchte ich nur einen einzigen Punkt herausgreifen, der mich als quasi Betroffene besonders tangiert: Das Zusammenleben der Familie unter dem Gesichtspunkt, dass es in der heutigen Gesellschaft Mode geworden ist, dass sich Frauen am besten nicht mehr durch ihre Mutterrolle und ihre Aufgaben in der Familie definieren, sondern dass sie sich daneben durch Karrierestreben und Berufsleben überhaupt „verwirklichen“ sollen.

Vor gut einem Jahr führten wir im Forum eine sehr hitzige, beinahe erbitterte Diskussion über Eva Hermans Buch „Das Eva-Prinzip“, in deren Verlauf ich feststellen musste, dass Männer wohl doch die überzeugtesten Feministinnen sind. Diese Bemerkung ist selbstverständlich ironisch gemeint, doch im Kern ist sie wahr. Es ist nach der Anschauung der mitdiskutierenden Männer so einfach, Karriere und Familie unter einen Hut zu bekommen. Kurios war, dass ich als einzige Hermans Buch gelesen hatte.

Mein Argument, dass die Autorin an keiner Stelle ihres Buches fordert, Frauen sollten zurück an den Herd und sich nur noch um die Familie kümmern, zog daher nicht. Vielmehr meinte Herman, dass man es Frauen, die ganz für die Familie da sein wollten, dies auch ermöglichen sollte, ohne auf sie herabzublicken. Damit kann ich mich voll und ganz identifizieren, denn Mutter sein und einen Haushalt zu versorgen ist ein Fulltimejob.

Wenn Kinder da sind, sind Prioritäten zu setzen. Soll heißen: An erster Stelle ist dafür zu sorgen, dass die Kinder gesund und glücklich heranwachsen und dass sie gut erzogen werden. Dazu gehört, dass ich mich intensiv um sie kümmere. Wenn ich das nicht kann oder will, dann hätte ich besser auf sie verzichten sollen.
Aus diesem Grund habe ich keine Ambitionen, z.B. mein Geschäft zu vergrößern, um eine Art "Karriere" zu machen.
Kinder werden nun einmal nicht nebenbei groß.

Ich möchte an dieser Stelle ein Mitglied unseres Forums zitieren. Susan spricht mir aus der Seele:
„Die logische Konsequenz kann also nur bedeuten: Entweder Karriere und ein Stück weit Selbstaufgabe (als Frau im ursprünglichen Sinne ihres Daseins) oder Familie, Kinder und dann eben "nur" eine zeitlich und qualifiziert begrenzte Tätigkeit zum Geldverdienen. Letzteres ist keine Herabwürdigung, sondern eine realistische Betrachtung der Möglichkeiten.

Frauen sind extrem belastbar und flexibel, aber auch sie haben nur begrenzte Ressourcen zur Verfügung. Wenn sie diese zu sehr plündern, dann bleibt am Ende nur eine menschliche Hülle, gefüllt mit Frust, Ängsten und negativen Gedanken, zurück. Welcher Ehemann und welche erwachsenen Kinder stehen so jemandem dann noch auf Dauer bei? Zumal diese ja auch den Druck in ihrem eigenen Leben meistern müssen. Das Alleinsein ist - sobald die Kinder aus dem Haus sind - fast schon vorprogrammiert. Oder fahren Männer neuerdings auf ausgebrannte, depressive, zickige Frauen mittleren Alters ab, denen ihre Versagensängste und ihre Überlastung auf den Stirnfalten stehen? Nein, im Gegenteil. Junge, oberflächliche, attraktive und vermeintlich sorgenfreie Strahlemädchen werden dann von genau solchen Ehemännern als Geliebte favorisiert. Bingo!
... Ich wünsche jedem, dass er seine eigenen Ideen und Vorhaben in die Tat umsetzen kann. Aber ich kenne niemanden, der das wirklich erfolgreich geschafft hat: Abbruch der Karriere, Scheitern der Ehe, Kinder, die aus dem Ruder laufen usw. usw. usw. - DAS sind die Erfahrungen, die ich in meinem Umfeld mache. Oder eben alternativ der Verzicht auf Kinder, weil die Kraft für Karriere und Familie nicht reicht. Diese Erfahrungen/ Beobachtungen habe ich im übrigen nicht mit 30 gemacht, sondern erst gehäuft in den letzten Jahren. Also lass uns noch mal in zehn, fünfzehn Jahren drüber sprechen...

Wenn ich mich in meinem beruflichen Dunstkreis umsehe, dann gibt es zwei Kategorien berufstätiger Frauen:

1. Ambitionierte, meist sogar recht erfolgreiche Managerinnen (sogenannte "Häuptlinge"), die oftmals Beruf mit Berufung gleichsetzen und in ihrer beruflichen Tätigkeit ihre Erfüllung suchen. Unter einem 10-Stunden-Tag ist sowas kaum umzusetzen. Tendenz geht sicher eher in den 12-Stunden-Bereich. (Ausreichend Freizeit ist aber nun mal die notwendige Basis für ein funktionierendes Privat- und Familienleben.)Hier gibt es auffällig viele Singles, Geschiedene, Getrenntlebende bzw. Frauen, die Fern-/ Wochenendbeziehungen führen. Langjährige Partnerschaften scheinen meist nur dann zu funktionieren, wenn der Mann ähnlich engagiert bzw. erfolgreich ist. Kinder kommen seltenst vor (mir fällt auf Anhieb keine einzige ein).Die Arbeitgeber erwarten vollen Einsatz und bevorzugen bei Beförderungen eher die Bewerberinnen, von denen bekannt ist, dass sie keinen oder keinen ausgeprägten Kinderwunsch hegen.

2. Frauen, die Teil- oder Vollzeit in Bereichen arbeiten, die tendenziell eher den "Indianertätigkeiten" zugeordnet sind (z. B. Sachbearbeiterin, Sekretärin, Verkäuferin, um mal ein paar zu nennen). In meinem Unternehmen beispielsweise sind ausnahmslos Mütter auf solchen Positionen.“

Quelle: http://www.zimtrausch.de/forum-showposts-8850-p1-xAntiFeminismus_quot;Das_EvaPrinzipquot;.html

Eine wirkliche Gleichstellung von Mann und Frau, wie sie von den Feministen gefordert wird, kann es nicht geben. Im Arbeitleben wird von den Frauen ein 120iger Einsatz gefordert. Wollen sie sich profilieren, müssen sie mehr Können und größeren Einsatz zeigen als männliche Kollegen. Also heißt die logische Konsequenz: Entweder Karriere oder Familie. Mit der Wahl der Karriere im Beruf gibt die Frau ein gutes Stück weit sich selbst auf. Alles das, was eine Frau im eigentlichen Sinne ausmacht, rückt in den Hintergrund, oder es wird total negiert.

Ich möchte nicht falsch verstanden werden. Meine Hochachtung gilt den Frauen, die sich klar für eine Karriere und gegen Kinder entschieden haben. Sie zeigen mir, dass sie verantwortungsvoll genug sind, zu erkennen, dass beides nicht hundertprozentig in allen Forderungen und Konsequenzen erfüllbar ist. Die Überbelastung, die durch ein Streben nach einer Karriere und dem Muttersein entsteht, geht entweder zu Lasten der Familie und der Kinder oder zu Lasten der Arbeitsleistung. Was passiert denn z.B., wenn ein Kind erkrankt?

Kann es sich eine „Karrierefrau“ leisten, ihre Kraft auf dieses Kind zu konzentrieren? Das Verständnis des Vorgesetzten hält sich sicher in Grenzen.
Sollte es Frauen nicht selbst überlassen bleiben, wie sie ihr Leben ganz nach ihren eigenen Ansichten gestalten wollen? Ich wende mich strikt gegen die Herabwürdigung der „Nur“-Hausfrauen als Ergebnis der Gleichstellungstheorie der Feministen. Der Trend ist leider vorhanden, und ich habe regelrecht Mitleid mit all den Frauen, die in den Sog der Feministenbewegung geraten oder geraten sind, die sich beeinflussen lassen und meinen, eine Frau wäre nur dann vollwertig, wenn sie den Spagat zwischen vollem Berufsleben und Familie mit Kindern schafft, ohne dass eine Seite oder sie selbst dabei auf der Strecke bleibt.

Ich möchte am Schluss meiner Betrachtung, die nur an der Oberfläche der Problematik kratzen kann, ein weiteres Mal Susan zu Wort kommen lassen:

„Hier wird so viel verlangt, dass auf Dauer eine Überbelastung entsteht, die entweder zu Lasten der Familie und der Kinder, oder aber zu Lasten der Arbeitsleistung geht. Sicher kann man sich entsprechende Dienstleistungen kaufen, wie z. B. eine Nanny und eine Haushaltshilfe. Aber welche Frau mag wirklich fremden Leuten die Erziehung ihrer Kinder überlassen, wenn sie aus freien Stücken und voller Überzeugung eine liebende Mutter geworden ist? Kindergärten, und Ganztagsschulen sind zwar eine Möglichkeit zur Kinderunterbringung, die klassischen Öffnungszeiten eines Kindergartens z. B. passen aber schon mal nicht zu den Arbeitszeiten einer Führungskraft. Internate erwecken bei mir den faden Beigeschmack des "Entsorgens".“

Quelle: http://www.zimtrausch.de/forum-showposts-8850-p1-xAntiFeminismus_quot;Das_EvaPrinzipquot;.html

Was bleibt, ist für mich diese Erkenntnis: Frau zu sein bedeutet, sich in einem Alltag voller Widersprüche zu befinden.Die Arbeitswelt, in der eine Frau bestehen soll, ist vorwiegend männlich geprägt. Die meisten Frauen haben Sehnsucht nach Geborgenheit, nach einem intakten Zuhause, nach einer Familie, und doch wird von ihnen erwartet, dass sie auch im Berufleben und Karrierestreben „ihren Mann“ stehen. Ist nicht auch dieser Zwiespalt eine Ursache, dass Beziehungen immer schneller zerbrechen, dass zu wenig Kinder geboren werden oder dass ganz und gar auf Kinder verzichtet wird, die man im Falle einer angestrebten Karriere sowieso schnellstmöglich und mit schlechtem Gewissen in fremde Hände geben müsste?

Ich habe diese Frage für mich beantwortet, und deshalb nenne ich mich eine Antifeministin.


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